Italien befürchtet neue Flüchtlingswelle

1. September 2016, 11:27
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Die Helfer seien überfordert, viele Flüchtlingseinrichtungen in Sizilien stehen laut Medienberichten "vor dem Kollaps"

Rom – Nachdem seit Samstag fast 15.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet worden sind, befürchtet die italienische Regierung eine weitere Welle an Ankünften im September. Die Zahl der seit Jahresbeginn eingetroffenen Flüchtlinge ist bereits höher als die im selben Zeitraum 2015, heißt es nach offiziellen Zahlen vom Donnerstag. 118.903 Menschen erreichten 2016 am Seeweg Italien.

Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 116.149 Menschen. "Es ist der große Ansturm vor Herbst-Beginn. Schlepper nutzen die letzten Sommertage vor Beginn des schlechten Wetters aus, um so viele Menschen wie möglich nach Europa zu schleppen", wurde ein Funktionär des italienischen Innenministeriums von der Tageszeitung "La Repubblica" zitiert.

1.000 Minderjährige unter den Neuankömmlingen

Die Zahl der Neuankömmlinge seit Samstag macht allein zehn Prozent der Ankünfte des ganzen Jahres aus. Unter denen, die Sizilien erreichten, befinden sich auch rund 1.000 Minderjährige. "Die Flüchtlingseinrichtungen auf der Insel stehen vor dem Kollaps", klagte die Tageszeitung "La Stampa".

147.722 Asylwerber versorgt Italien zurzeit, 2015 waren es 103.792 und 2014 noch 66.066. Italien macht Druck auf Gemeinden und Regionen, damit sie mehr Flüchtlinge aufnehmen. Das Innenministerium appellierte an die Kommunen zu mehr Hilfsbereitschaft. Die Region, die die meisten Menschen versorgt, ist die Lombardei mit 19.446 Menschen. Das sind 13 Prozent aller Flüchtlinge in Italien. Es folgt Sizilien mit einem Anteil von elf Prozent an der gesamten Flüchtlingszahl (15.683).

Südtirol versorgt 1.404 Flüchtlinge, der Trentino 1.226, in Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien waren es 4.765, teilte das Innenministerium mit.

Offensive gegen Schlepperei

1.200 Migranten sind zuletzt auf Lampedusa eingetroffen. 300 Personen befinden sich bereits in der Flüchtlingseinrichtung auf der Insel. "Der Hotspot von Lampedusa ist ein Chaos. So kann man Flüchtlinge nicht versorgen. Die Migranten müssen sofort aufs Festland gebracht werden, auch mithilfe von Militärschiffen", sagte die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini.

Inzwischen verschärft Italien die Offensive gegen die Schlepperei. Fünf mutmaßliche Schlepper wurden in Cagliari auf Sardinien festgenommen. Sie hatten sich unter die 617 Migranten gemischt, die am Mittwoch an Bord eines Militärschiffes eingetroffen waren. Weitere sieben Schlepper wurden im sizilianischen Hafen Pozzallo festgenommen. (APA, 1.9.2016)

  • Aufnahmen von Ende August: 6500 Menschen wurden allein an einem Tag gerettet.
    foto: apa/afp/guardia costiera

    Aufnahmen von Ende August: 6500 Menschen wurden allein an einem Tag gerettet.

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