Topmanager beschäftigen sich mit immer stärker digitalisierten Märkten

1. September 2016, 07:41
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Plater, Kratky, Matthä, Uher diskutierten in Alpbach Herausforderungen und Chancen bevorstehender technischer Umbrüche

Wie können Unternehmen auf den immer komplexeren, flexibleren und digitalisierteren Markt reagieren? Welche Werkzeuge greifen könnten, um neue Unternehmenskulturen zu schaffen, darüber haben am Mittwochabend bei den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach die Chefs der Telekom Austria Alejandro Plater, der AUA, Kay Kratky, der ÖBB, Andreas Matthä, und der Erste Bank Österreich, Thomas Uher, diskutiert.

Der deutsche Change-Manager Hans Geißlinger sagte in seiner Keynote-Ansprache, "nur was scheitern kann, hat am Ende auch einen Wert wenn es gelingt". Indirekt wies er so auf Risiken beim Unternehmertum hin. In Zukunft gehe es in der Führungsetage jedenfalls um mehr als klassisches Management. Dinge müssten immer öfter anders gedacht werden als sie eigentlich seien, um ganz neue Perspektiven zu öffnen.

Perspektiven

Und wegen der fortschreitenden Digitalisierung scheint das Eröffnen neuer Perspektiven für Unternehmen praktisch lebensnotwendig. Eine Kulturveränderung komme aber nie von selbst und auch nicht automatisch durch die Digitalisierung, sagte Uher. Reagiere man nicht als Firma, würde man aussterben. Er führte als Beispiel an, dass die Erste-Belegschaft mit iPhones ausgestattet worden sei, denn wer solle für die Bank eine App verkaufen, wenn er nicht gerne und gut mit einem Smartphone umgehe.

Plater sah die Telekom "als treibende Kraft der Digitalisierung innerhalb der Gesellschaft". Man versuche, "Botschaften innerhalb der Organisation weiterzugeben". Die Umwandlung der Gesellschaft durch die Digitalisierung müsse im Unternehmen beginnen, so der Telekom-Chef. Dabei stehe ganz oben, Angst vor Veränderungen zu nehmen. "Lösungen und Antworten kommen nicht immer von oben, es braucht eine Entwicklung von innen heraus", so der gebürtige Argentinier. Menschen würden ihr Wissen ja teilen wollen. Ein sehr gutes Beispiel dafür sei Wikipedia – "niemand wird dafür bezahlt". Leute würden Erfahrungen miteinander teilen wollen, "das muss man im Unternehmen genau so sehen. In einer Shared Economy kommt das Wissen von einem Fundament, an dem jeder teilnehmen kann."

Auch die ÖBB sind Matthä zufolge in einem Kulturumbruch. "Wir erfinden uns gerade wieder neu." Als Beispiel nannte der Manager die "Open Innovation Platform" der ÖBB, an der Mitarbeiter unterschiedlichster Hierarchien und auch Kunden teilnehmen können. Ein erstes Projekt zum finden freier Plätze im Zug wird ja bald getestet. Nun suchen die ÖBB Ideen für einen Bahnhof der Zukunft. Matthä lud hier zur Teilnahme ein. "Nur Zugfahren wird auf Dauer nicht mehr funktionieren", sagte der oberste Eisenbahner.

Ratschläge

AUA-Chef Kratky empfahl für einen Bahnhof der Zukunft scherzhaft eine Flughafenanbindung. Ernsthaft sagte er der Wirtschaft bzw. Unternehmen für die Zukunft "mehr disruptive Elemente" voraus, "die komplette Industrien infrage stellen" würden. "Es kommen große Herausforderungen auf uns zu." Es gehe darum, sich darauf vorzubereiten, mit Unplanbarkeiten so gut wie möglich umzugehen. "Da muss man Kreativität mehr zulassen, mehr Mut zu Entscheidungen zulassen", so der Deutsche. Es gehe um Freude an Veränderung anstatt Angst davor. Abhilfe könnten hierarchieübergreifende Gruppen schaffen, gepaart mit einer fachübergreifenden Beschäftigung mit Themen. Das alleine sei schon eine klare Änderung von althergebrachten Vorgehensweisen, auch bei der AUA.

Zur Flexibilisierung von Mitarbeitern sagte Kratky, dass diese oft dazu bereit wären. Ihm persönlich sei es egal, wann und wo jemand seine Arbeit mache, wenn es operativ nicht an Ort und Stelle notwendig sei. Die neue Generation verknüpfe Arbeit und Leben, wolle selbstbestimmt steuern. "Dem müssen wir auch Rechnung tragen." In Richtung Arbeitnehmervertreter bzw. Gewerkschaften sagte er ohne diese zu nennen: "Ich vermisse einen aktualisierten Blick auf diese Dinge bei manchen Gesprächspartnern." (APA, 1.9.2016)

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