Neues Spiel um Casinos Austria

31. August 2016, 22:56
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Nach dem Stopp des Kartellgerichts für Novomatic bringt die Republik für die Casinos auch einen Börsengang ins Spiel

Wien/Gumpoldskirchen – Das tschechische Konsortium um die Milliardäre Karel Komarek und Jirí Smejc (Sazka Group) hält an seinen Plänen fest, bei Casinos Austria AG (Casag) das Ruder übernehmen zu wollen – gemeinsam mit dem niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic. Sprechen wollen die Tschechen auch mit der Staatsholding Öbib, die ein Drittel an der Casag hält.

Gesprächsstoff gibt es genug, denn Novomatic hatte Casag-Altaktionären wie dem Mühlenkonzern Leipnik-Ludenburger Invest, Uniqa und der MTB Privatstiftung insgesamt 40 Prozent abgekauft, scheiterte mit dem Deal aber bei Bundeswettbewerbsbehörde und Kartellgericht. Nun müssen die Casag-Aktionäre zurück an den Start. Vom Rekurs beim Obersten Gerichtshof, den Novomatic anstrebt, erwartet sich Konzernchef Harald Neumann eher keinen Erfolg, sagte er in der ZiB2.

Die für den Staatsanteil zuständige Öbib und deren Eigentümer Finanzministerium hielten sich betreffend Casag-Zukunft am Mittwoch bedeckt. In Ministeriumskreisen wird allerdings ein optimistisches Szenario gezeichnet: Der Spruch des Kartellgerichts, der nach derzeitigem Stand der Dinge zumindest auf eine Reduzierung des 40-prozentigen Novomatic-Anteils auf unter 25 Prozent hinauslaufen würde, erhöhe die Chancen für eine Alternative: einen Börsengang des teilstaatlichen Kasinobetreibers.

Börsenfitness fehlt

Echter Widerstand der SPÖ gegen einen Teilverkauf erwarte man insofern nicht, als die Casag bisher auch nur indirekt (über die Münze Österreich) ein Staatsbetrieb war. Was der Casag freilich fehlt: Börsenfitness, konkret eine Vereinfachung der auf viele Gesellschaften verteilten Konzernstruktur. Und: eine Änderung des Glücksspielgesetzes, das derzeit eine Prüfung jedes einzelnen Aktionärs durch die Konzessionsbehörde vorsieht. Um den Spielerschutz müsse sich künftig – auch ohne Börsengang – die neu einzurichtende Glücksspielbehörde kümmern, nicht Casag, heißt es.

Ob der Kapitalmarkt auch den tschechischen Aktionären konvenieren würde, ist offen. Sazka könnte auch aufstocken, sie erregt mit ihren elf Prozent nicht den Unmut der Wettbewerbshüter.

Sazka will mehr

Zur Erinnerung: Novomatic und Sazka hatten um die Vorherrschaft bei der Casag gestritten, ehe sie sich im Februar zusammengerauft und alles auf eine Karte gesetzt hatten. Als Atout gegen das Kartellgericht taugte diese Karte aber nicht. Novomatic und Sazka können ihre zusammen rund 51 Prozent nicht wie geplant in ein Joint Venture einbringen. "Es ist zu früh zu sagen, wie sich die Entscheidung des Kartellgerichts auswirken wird. Wir sind bereit, weitere Aktien der Casag und der Lotterien zu erwerben", so Sazka-Investmentdirektor Stephan Dlouhy. (ung, APA, 1.9.2016)

  • Wie weit der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic die teilstaatliche Casinos Austria beherrschen darf, wird wohl der Oberste Gerichtshof entscheiden.
    foto: apa / herbert pfarrhofer / herbert neubauer

    Wie weit der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic die teilstaatliche Casinos Austria beherrschen darf, wird wohl der Oberste Gerichtshof entscheiden.

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