Ex-Postler fühlt sich zu Selbstkündigung gezwungen

31. August 2016, 17:53
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Ein ehemaliger Qualitätsmanager hat die Post geklagt, Überstunden hätten ihm ein Burnout beschert. Die Post wirft dem Mann "extremes Freizeitverhalten" vor

Wien – Am Arbeits- und Sozialgericht Wien wird demnächst eine Causa verhandelt, in der unter anderem Überstunden bei der Österreichischen Post AG Thema sein werden. Ein ehemaliger Qualitätsmanager (zuständig für die Qualitätskontrolle etwa der Zustellung und Sortierung) hat seinen Exarbeitgeber geklagt; er fordert unter anderem Gehälter nach, die ihm unter Berufung auf eine Konkurrenzklausel nicht ausbezahlt wurden. Der Kläger behauptet, "die Arbeit bei der Post AG" habe "eine Erschöpfungsdepression" bei ihm ausgelöst, "die massive Überstundenbelastung" habe ihn gezwungen, seinen Job Ende Mai 2016 zu kündigen. Daher sei die Konkurrenzklausel unwirksam.

Es geht um 4800 Euro – allerdings ist darin die Abgeltung jener laut Schriftsatz "zu viel geleisteten" Überstunden nicht inkludiert, die der nun bei der Konkurrenz arbeitende Expostler über seinen All-in-Vertrag hinaus gemacht haben will. Von Juni 2012 bis Juni 2014 seien 805 Überstunden zusammengekommen; allein im August 2012 mehr als 72.

"Bockig" agiert

Die Post wehrt sich gegen die Klage. Ihre Anwältin argumentiert in einem Schriftsatz sinngemäß, der "sehr engagierte" Exmitarbeiter habe schon in seiner Einarbeitungszeit 2011 zu viel gearbeitet. Statt Arbeit "zu delegieren ... erledigte er diese ... meistens selbst". Sein Vorgesetzter habe ihm später sogar "ausdrücklich verboten, bestimmte Aufgaben ... zu übernehmen".

Ab 2015 habe der Kläger "zunehmend gereizt, problemorientiert und geradezu aufmüpfig ('bockig') agiert" und das mit privaten Problemen erklärt. Und er habe ein "extremes Freizeitverhalten (regelmäßig Wochenendtrips in die USA und Städtetrips innerhalb Europas)" gepflogen. Sein Chef habe ihn vor den Folgen gewarnt und ihn vergeblich ersucht, "sein überzogenes Freizeitverhalten zu reduzieren".

Höheres Einkommen angestrebt

Kurzum: Der Postler sei nie "unter Druck gesetzt bzw. zur Überstundenleistung" gezwungen worden – und daher auch nicht zur Kündigung. Dass er seine "Erschöpfungsdepression nun auf eine berufliche Überlastung zurückführen möchte, grenzt an schlichte Realitätsverweigerung", schreibt die Anwältin. Und: Der Kläger habe "ganz bewusst ein (besser entlohntes, Anm.) Dienstverhältnis bei einem direkten Konkurrenzunternehmen angestrebt" und angenommen und so die Konkurrenzklausel verletzt.

Die recht ansehnlichen Überstunden, die der Expostler erwähnt, werden im Schriftsatz nicht thematisiert. Ab Montag wird sich das Arbeitsgericht mit der Causa beschäftigen. (Renate Graber, 31.8.2016)

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