Tod des IS-Propagandachefs: Kein gewöhnlicher Terrorist

Kommentar31. August 2016, 17:34
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Abu Mohammed al-Adnani war das Gesicht des Kalifats

Den USA ist in Syrien momentan wenig Glück beschieden: Nicht genug damit, dass derzeit zwei US-Verbündete – Türkei und Kurden – gegeneinander kämpfen, wollen nun auch noch die Russen für die Tötung des IS-Propagandachefs Abu Mohammed al-Adnani verantwortlich sein. Aber diese Erfolgsmeldung lässt sich Washington nicht so leicht abspenstig machen.

Denn wenngleich es stimmt, dass Terroristen immer wieder nachwachsen, so war Adnani doch ein Sonderfall. Er war jenes Führungsmitglied des "Islamischen Staats", das dafür verantwortlich war, die Brücke zwischen dem vom IS kontrollierten Territorium und den IS-Rekrutierungsgründen im Westen aufrechtzuerhalten. Als der IS Interesse daran verlor, immer mehr (zum Teil mäßig einsetzbare) Kämpfer nach Syrien und in den Irak zu locken, widmete sich Adnani dem "Kampf" des IS im Westen, sprich, dem Terrorismus. Adnanis Stärke rührte nicht zuletzt daher, dass er, neben dem "Kalifen" selbst, das Gesicht des Kalifats war: Er hatte dessen Ausrufung verkündet.

Daran, dass der IS heute empfindlich geschwächt ist, gibt es keinen Zweifel: Er hat viel Land und wichtige Führungspersönlichkeiten verloren. Fatalerweise gibt es jedoch im Moment in Syrien Entwicklungen, die dem IS wieder Luft zum Atmen verschaffen könnten. Die Türkei will zwar angeblich gegen den IS kämpfen, geht jedoch derzeit vor allem gegen jene vor, die das bisher getan haben. (Gudrun Harrer, 31.8.2016)

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