EZB kauft Firmenanleihen: "Attraktiv bei angemessenem Risiko"

1. September 2016, 16:04
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Es regt sich Kritik an dem wenig transparenten Kaufprogramm, österreichische Papiere werden von der finnischen Notenbank erworben

Wien – Nach Staatsanleihen kamen Pfandbriefe, Regionalanleihen, Hypothekenpapiere und zuletzt auch Firmenanleihen. Der Hunger der EZB nach Schuldverschreibungen scheint derzeit kaum zu stillen, bietet Anlegern aber auch Chancen: Seit Juni kaufen die Frankfurter Währungshüter Corporate Bonds, wie Unternehmensanleihen auch bezeichnet werden, darunter auch von österreichischen Emittenten.

"Die Suche nach Rendite verschärft sich weiter", sagt Anleihenexperte Clemens Hansmann von der Gutmann KAG. "Die Spreads (der Renditeunterschied zu deutschen Bundesanleihen, Anm.) von Corporate Bonds haben sich eingeengt, und die Renditen sind weiter gefallen." Das bedeutet aus seiner Sicht aber nicht, dass diese Anlageklasse bereits ausgereizt ist.

Käufer in der Hinterhand

"Das Momentum ist nach wie vor vorhanden, und man hat mit der EZB einen starken Käufer in der Hinterhand", ergänzt Hansmann mit Verweis auf die gute Performance von Unternehmensanleihen. "Corporate Bonds bieten in Relation zu anderen Anlageklassen ein attraktives Umfeld bei angemessenem Risiko." Jedoch schränkt der Anleihenexperte ein: Obwohl die EZB nur Papiere mit Investment Grade kauft, das ist ein Bonitätsrating bis BBB-, sollten Anleger stets den Geschäftsgang der Firma im Auge behalten.

Unmut regt sich in der Branche unterdessen über die geringe Transparenz der EZB-Käufe. Bisher sind aus Österreich 17 Papiere von acht Firmen, nämlich EVN, Kelag, Energie AG Oberösterreich, Novomatic, OMV, Strabag, Telekom und Verbund, erworben worden. Durchgeführt hat die Käufe die finnische Notenbank – ohne jedoch das Volumen der Transaktionen bekanntzugeben. (aha, 1.9.2016)

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