Huma Abedin: Die Frau, ohne die Clinton nicht aus dem Büro geht

Kopf des Tages31. August 2016, 17:10
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Die Beraterin hat nach einer Cybersex-Affäre ihren Mann verlassen.

Wo immer Hillary Clinton auf der Bühne steht, sieht man Huma Abedin in der zweiten Reihe. Souverän, elegant und scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Wäre sie Britin, würde man sagen, dass sie die Philosophie der steifen Oberlippe verinnerlicht habe: das Konzept, stoisch Haltung zu wahren, egal was um einen herum gerade passiert.

Manchmal grenzte ihre Selbstbeherrschung an Selbstverleugnung; etwa 2011, als ihr Mann Anthony Weiner zum ersten Mal über eine Cybersex-Affäre stolperte und sie vor der Presse die "stiff upper lip" zur Schau stellte. Beim dritten Mal – nach einer zweiten demütigenden Episode 2013 – ist der Geduldsfaden gerissen. Diesmal wurde bekannt, dass der frühere Kongressabgeordnete einer Chat-Partnerin ein Bild geschickt hatte, auf dem er sichtlich erregt in Boxershorts zu sehen war – neben ihm der vierjährige Sohn. Das war zu viel für Abedin: Sie wird sich von Weiner trennen.

Auch die Sorge um ihre Chefin dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Die 40-Jährige ist schon zu lange im Geschäft, als dass sie nicht wüsste, dass der politische Gegner Weiners Eskapaden mitten im Wahlkampf irgendwie auszuschlachten versucht. Und für rechte Verschwörungstheoretiker ist Abedin ohnehin eine beliebte Zielscheibe: Weil sie Kindheit und Jugend in Saudi-Arabien verbrachte, wird gern über angebliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft geflüstert.

Geboren wurde sie in Kalamazoo, Michigan. Der Vater stammt aus Indien, die Mutter aus Pakistan, beide Muslime, beide Akademiker. Weil Syed Abedin einen Lehrauftrag in Jeddah bekommt, zieht die Familie in die Metropole am Roten Meer, wo Huma aufwächst, bevor sie zum Studium an der George Washington University in die USA zurückkehrt.

1996 macht sie ein Praktikum im Stab Hillary Clintons, der damaligen First Lady. Es ist der Beginn einer Beziehung, der das Adjektiv "eng" nur unzureichend gerecht wird. Hätte sie außer Chelsea eine zweite Tochter, hat Clinton einmal gesagt, dann wäre es Huma. Als sich Clinton um einen Senatssitz bewirbt, wird Abedin ihre Assistentin und Beraterin, und das ist sie geblieben.

Mandy Grunwald, eine weitere Vertraute aus Clintons Zirkel, hat neulich schön überspitzt gesagt: "Ich bin mir nicht sicher, ob Hillary ohne Huma überhaupt aus dem Büro gehen würde. Kühlt die Klimaanlage zu stark, ist Huma mit einem Schal zur Stelle. Sie ist Hillary immer um drei Gedankenschritte voraus." (Frank Herrmann, 31.8.2016)

  • Huma Abedin.
    foto: reuters/brian snyder

    Huma Abedin.

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