Michael Gregoritsch: In den Schuhen des Knipsers

31. August 2016, 16:33
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Legionär vom Hamburger SV soll im Nationalteam auf Sicht Jankos Rolle als Torjäger übernehmen

Michael Gregoritsch sagt, was Fußballer, die etwas erreicht haben, immer sagen. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Das ist die Wahrheit, keine Floskel." Der 22-Jährige hat sie nun allesamt persönlich kennengelernt, allen voran den echten Teamchef Marcel Koller. Den Marc Janko, den Martin Harnik, den David Alaba, die Liste ist lang.

Gewisse Arbeiten

Stößt man neu zu einer Gruppe, hat man gewisse Arbeiten zu erledigen, eine Fußballmannschaft ist auch auf Hierarchien aufgebaut. Man schleppt die Bälle auf den Trainingsplatz, sammelt sie wieder ein, stopft sie ins Netz. Die gebrauchten Trinkflaschen lässt man auch nicht neben dem Happel-Stadion verrotten. Wobei es schon Grenzen gibt, um das Toilettetascherl von Janko kümmert sich Janko selbst. Gregoritsch hat Helfer, auch Louis Schaub und Stefan Stangl wurden erstmals ins Nationalteam einberufen. Sie sind ebenfalls der Ansicht, "dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist".

Nicht mit dem Vater

Gregoritsch hatte ursprünglich damit gerechnet, seinen Vater Werner zu treffen und mit ihm zu einem Match nach Finnland zu fliegen. Werner Gregoritsch ist Teamchef der U21-Auswahl und lebte gut von den Toren seines Sohnes. Er lebte gut davon, denn am 23. August hat bei Michael daheim in Hamburg das Handy geläutet, es lag griffbereit neben der Couch. Koller war dran und teilte mit, dass er dem Kader fürs WM-Qualifikationsspiel am 5. September in Tiflis gegen Georgien angehöre. "Er hat betont, dass ich die Einberufung verdient habe. Ich soll einfach Fußball spielen und Spaß haben, hat er gesagt. Was mich besonders freut, ist, dass ich nicht aufgrund von Ausfällen geholt wurde. Er baut auf mich."

In der Lieblingsposition

Gregoritsch soll in die Fußstapfen von Marc Janko treten, der um elf Jahre älter ist. Die Schuhe sind freilich Latschen (26 Treffer!). Beim Hamburger SV spielt er zwar zentral hinter den Spitzen, seine Lieblingsposition ist freilich jene des Mittelstürmers. Koller möchte diesen Wunsch früher oder später erfüllen. Gregoritsch ist 1,93 Meter groß, wirkt schlaksig, ist es nicht. Sein linker Fuß wird von den gegnerischen Torleuten respektiert bis gefürchtet, in Kopfballduellen sind viele Innenverteidiger Zweite.

Jüngster Torschütze

Er hält übrigens einen fabelhaften österreichischen Rekord, ist der Jüngste, der je ein Tor in der Bundesliga erzielt hat. Am 14. April 2010 schoss er das 1:0 für Kapfenberg gegen die Austria, Endstand 1:1. Trainer war übrigens Papa Werner, er hatte den Buben in der 80. Minute eingewechselt. Michael war 15 Jahre und 361 Tage alt. Die Reise des Steirers führte über Hoffenheim via St. Pauli zum VfL Bochum, ehe er 2015 um 3,5 Millionen Euro vom HSV verpflichtet wurde.

Im Zimmer mit Lazaro

Er teilt das Zimmer mit Valentino Lazaro, die ersten Trainingseinheiten hat er gut überstanden, es gab eine Spezialeinschulung durch Koller. "Er hat die Ideen vermittelt, es ist ein brutales Angriffspressing. Es geht nicht darum, den Verteidiger nur anzutraben, sondern den Ball so früh wie möglich abzufangen." Gregoritsch schaut Janko genau zu. "Ein Knipser, es sind Stürmer hinter ihm gekommen und gegangen, er hat sich immer gehalten." Als Janko 2006 debütierte, "war ich zwölf. Die Fußstapfen sind riesig. Ich bin gekommen, um zu bleiben. Ich bin kein Trainingsgast, ich will mich aufdrängen, gegen Georgien spielen." Werner Gregoritsch ist jetzt nur mehr Vater. "Wir beide können gut damit leben, dass er nicht mehr mein Trainer ist." Michael sammelt beim A-Team brav die Bälle ein. "Kein Problem. Irgendwann werden das andere tun." (Christian Hackl, 31.08.2016)

  • Michael Gregoritsch wird von Teamchef Marcel Koller eingeschult.
    foto: apa/jäger

    Michael Gregoritsch wird von Teamchef Marcel Koller eingeschult.

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