Monika Gruber: "Böhmermann war neidisch"

Interview24. September 2016, 12:00
177 Postings

Die deutsche Komödiantin über Burkiniverbot und Jan Böhmermanns Eitelkeit

Sie gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Komödiantinnen und füllt auch in Österreich mühelos Hallen: Monika Gruber versorgt ihr Publikum seit Jahren mit bayerischem Schmäh. Als Schauspielerin gehört sie zum Standardrepertoire der bayerischen Regielegende Franz Xaver Bogner – mit der Talk-Comedyserie "Monis Grill" seit Donnerstag um 23.30 Uhr auf ARD und 19.30 Uhr im BR und – unvergleichlich – mit Christine Neubauer (ja, die!) in "München 7" ab 5. Oktober um 18.50 Uhr auf ARD. Dem STANDARD antwortete sie spontan per Mail.

STANDARD: F. X. Bogner, Regisseur von "München 7" und "Monis Grill", rühmt den "gnadenlosen Ton" der Frauen. Wann sind Sie gnadenlos?

Gruber: Ha! Eine gute Frage. Ich denke, wenn ich jemanden für dummdreist, blasiert oder beides halte – das gibt's ja oft im Doppelpack –, dann kann ich in meinem Urteil recht gnadenlos sein. Und wenn ich das Gefühl habe, dass jemand mich geschäftlich oder privat bescheißen möchte, dann wende ich mich gnadenlos von jemandem ab.

STANDARD: Kabarett bedeutet für Sie?

Gruber: Ich bin mir zwar nicht sicher, ob man in Deutschland das, was ich mache, als Kabarett bezeichnen würde, aber generell bedeutet Kabarett für mich die humorvolle, satirische Überzeichnung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse. In Deutschland verkommt das klassische Kabarett ja immer mehr zu einer Art Gesinnungskabarett mit erhobenem Zeigefinger à la "Ich erkläre dir jetzt, was Gut und was Böse ist", und das langweilt mich zutiefst.

STANDARD: Ein Berufswechsel steht an. Worauf würden Sie umsatteln?

Gruber: Ich würde einen italienischen Hotelier an der Adriaküste heiraten, bei ihm im Hotel mitarbeiten und mich an deutschen Urlaubern dafür rächen, dass sie sich immer im Urlaub so aufführen, dass man im Boden versinken möchte! Im Ernst, ich bin mir nicht sicher. Aber vielleicht würde ich ja einen kleinen Kramerladen aufmachen ... mitten in der Stadt ... wo sich im Hinterzimmer die Honoratioren der Stadt, inklusive sämtlicher höherer Polizeibeamter, zum Zocken und Trinken treffen. So was gab es schon mal bei uns in der Nähe, und wenn der Besitzer des Kramerladens, der natürlich immer mitgetrunken hat, promillemäßig außer Gefecht gesetzt war, dann haben sich die Leute selbst bedient und das Geld einfach in die Kasse gelegt. Das wäre doch eine wunderbare Perspektive für mich.

STANDARD: Wer ist lustiger, Bayern oder Österreicher?

Gruber: Ich finde, Bayern und Österreicher unterscheiden sich im Humor nicht wirklich, außer vielleicht, dass die Österreicher – und gerade die Wiener – etwas morbider sind und sich mehr trauen. Zwischen Restdeutschland und Österreich gibt es humormäßig natürlich eklatante Unterschiede, nämlich dergestalt, dass die Österreicher einen großartigen, auf Selbstironie basierenden Humor haben und die Piefkes nicht.

STANDARD: Ein Hollywood-Film, bei dem Sie gerne mitgespielt hätten?

Gruber: Wow! Beim "Paten" hätte ich gern die Rolle von Talia Shire als Tochter von Don Corleone gespielt, und in der Literaturverfilmung von "Am Rand der grünen Welt" von Thomas Vinterberg hätte ich gern die Rolle der Bathsheba Aberdeen von Carey Mulligan gespielt, aber eigentlich nur, weil ich dann Matthias Schoenaerts hätte küssen dürfen!

STANDARD: Wenn Sie im Lotto gewinnen, was machen Sie als Erstes?

Gruber: Ich kaufe mir einen Maserati Gran Turismo Coupé, und dann lade ich meine ganze Familie mit Eltern, Neffen und Nichten auf einen Urlaub nach Italien oder Griechenland ein. Meine Familie fliegt hin, und ich fahre! Yabadabadoo!

STANDARD: Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

Gruber: Über meinen kleinen Neffen Valentin, neun Jahre. Seine Mutter erklärte ihm irgendetwas, und als sie fertig war, schaute er sie ganz ernst an und meinte: "Amen!"

STANDARD: Was finden Sie gar nicht lustig?

Gruber: Zurzeit? Vieles, aber so viel Platz haben Sie gar nicht in Ihrer Zeitung. Generell kann ich Leute nicht ausstehen, die geizig und neidisch sind und nicht über sich selber lachen können, aber dennoch von sich behaupten, sie hätten Humor.

STANDARD: Ihre Antwort auf den Amoklauf von München?

Gruber: Manchmal muss ich schon in der Früh das Fenster aufmachen und rausschauen, damit ich noch weiß, wo ich bin. Dennoch versuche ich mich in keinster Weise in meiner persönlichen Freiheit einschränken zu lassen. Leider ist jedoch Angst nichts Rationales, deshalb spürt man in Deutschland schon, dass die Menschen vorsichtiger geworden sind und zum Beispiel Großveranstaltungen wie das Oktoberfest eher meiden werden.

STANDARD: Burkiniverbot, ja oder nein?

Gruber: Ja, allerdings möchte ich auch keine Bilder mehr sehen wie in Nizza, als eine Frau mit Waffengewalt aufgefordert wurde, ihren Burkini abzulegen. Ich bin sicher, das kann in Zukunft auch anders gelöst werden. Generell bin ich aber für ein Burkaverbot, und nicht nur für ein "Burkaverbot light", wie es die CDU in Deutschland vorgeschlagen hat. Dass überhaupt wochen- und monatelang darüber diskutiert wird, ob das Tragen einer Burka ein Integrationshindernis darstellt, finde ich absolut lächerlich, besonders angesichts der Tatsache, dass das Burkaverbot in der Schweiz bereits gut funktioniert. Wir leben hier in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, in der man sein Gesicht zeigt, und das ist zu respektieren. Wenn ich als westliche Frau in arabische Länder reise, dann halte mich auch an die Regeln vor Ort, das heißt, ich bedecke mein Haar, die Schultern, trage keine kurzen Röcke oder Hosen, wenn ich eine Moschee besichtige. Ich liege auch nicht oben ohne am Strand und akzeptiere, dass es in keinem öffentlichen Lokal Alkohol zu kaufen gibt. Bei uns dagegen wird das Totschlagargument Religionsfreiheit genannt, um nur eines zu rechtfertigen: die Sichtbarkeit der Unterdrückung der Frau durch den Mann und eine politisch motivierte Religion.

STANDARD: Hat Böhmermann recht?

Gruber: Sie meinen, ob er recht hatte, dieses Schmähgedicht zu verfassen? Generell sollte man sich in einer Demokratie über alles lustig machen dürfen, ohne gleich gerichtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Frau Merkel wird ja auch in der Türkei als weiblicher Hitler dargestellt, und es wird deshalb nicht gleich der türkische Botschafter ins Kanzleramt bestellt oder ausgewiesen. Ob man das Gedicht zu dem Zeitpunkt und in dieser Art und Weise hätte machen müssen, das ist eine andere Frage. Ich denke, Herr Böhmermann war etwas neidisch auf die Kollegen von "extra 3", die mit ihrem Schmählied auf Erdoğan als Erste für Furore sorgten. Dem wollte er nacheifern und hat die Bedeutung seiner Person wohl etwas unterschätzt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals gewollt hat, dass seine Familie unter Polizeischutz gestellt wird. Allerdings hat Frau Merkel mit ihrem Bückling vor Erdoğan auch nicht gerade Rückgrat bewiesen. Aber die Frau hat so ein dickes Fell, die braucht kein Rückgrat.

STANDARD: Worauf sind Sie besonders stolz?

Gruber: Auf meine fünf Neffen und Nichten im Alter von fast zwei bis neun Jahren. Sie sind einfach großartig!

STANDARD: Worum braucht man Sie gar nicht erst zu bitten?

Gruber: Um Nacktfotos für den "Playboy", aber ich glaube, in dem Ausmaß retuschieren die auch gar nicht.

STANDARD: Facebook oder Whatsapp?

Gruber: Privat: keines von beiden. Beruflich: Facebook. (Doris Priesching, 24.9.2016)

Monika Gruber (45) startete ihre Fernsehkarriere in der Comedyreihe "Kanal fatal" im BR. Mit Michael Niavarani füllte sie in "Best of Beide" die Stadthalle. Seit Montag tourt sie mit Viktor Gernot durch Österreich.

  • Komödiantin Monika Gruber derzeit in "Monis Grill", demnächst wieder in "München 7".
    foto: br/günther reisp

    Komödiantin Monika Gruber derzeit in "Monis Grill", demnächst wieder in "München 7".

Share if you care.