Das Spiel vom Fragen: Das Ende des Pressefoyers in der "ZiB 2"

31. August 2016, 15:33
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So ein Bundeskanzler kommt vor versammelter Journaille einfach nicht zum Luftschnappen

Seinem Bildungs- und Informationsauftrag kann der ORF oft aus den unterschiedlichsten Gründen nicht nachkommen. Ist die Medienanstalt einmal willig, ist die Politik wieder schwach! Bundeskanzler Christian Kern möchte die schöne Einrichtung des Pressefoyers in Hinkunft schwänzen. Es nimmt nicht wunder, dass viele innenpolitische Kollegen dem Kern'schen Schweigegelübde wenig abgewinnen können. Andere wurden hingegen vom "Schmeck's" der Regierungsspitze offenbar auf dem falschen Fuß erwischt.

Andreas Koller von den "Salzburger Nachrichten" zeigte in einer ersten Wortmeldung in der "ZiB 2" noch großes Verständnis. Was hätten er und seinesgleichen nicht für "Chaos" angerichtet! Wir fassen zusammen: So ein Bundeskanzler kommt vor versammelter Journaille einfach nicht zum Luftschnappen. Es werden blöde Meldungen geschoben. Irgendein Hungerleider mit Block und Zweier-Bleistift fragt dumm nach.

Kurz gesagt: Die "Pressköter" – wie Karl Kraus die Journalisten einmal nannte – säen unausgesetzt Zwietracht unter den Eheleuten, vulgo: den Koalitionspartnern. Und warum? Weil sie, wie Koller wusste, mit ihren Fragen eigenwillige "Setzungen vornehmen".

Tags darauf klang das aus Kollers Mund schon anders. Ein Stück Informationsfreiheit drohe verlorenzugehen. Hier erhob nun nicht der stellvertretende "SN"-Chefredakteur das Wort, sondern der Präsident des Presseclubs Concordia. Marktforscher Wolfgang Bachmayer schätzte die Lage bereits vorher nüchtern ein. Hier werde vom Kanzler "mit alten Zöpfen gebrochen". Wer da noch ein Haar in der Suppe findet, muss den Kakao selber trinken. (Ronald Pohl, 31.8.2016)

  • Andreas Koller von den "Salzburger Nachrichten" in der "ZiB 2".
    foto: screenshot/tvthek.orf.at

    Andreas Koller von den "Salzburger Nachrichten" in der "ZiB 2".

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