Das Indie-Game der Woche: "Bound"

2. September 2016, 10:00
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Das psychedelische "Bound" beweist, dass Ballerinas auch in Spielen eine gute Figur machen.

Eine Entwarnung am Anfang: Man muss mit der altehrwürdigen, oft als verstaubt belächelten Kunst des Balletts oder hochkulturellem Ausdruckstanz rein gar nichts am Hut haben, um sich in "Bound" (PS4, 19,99 Euro) des polnischen Entwicklers Plastic zu verlieren. Im Gegenteil: Auch eingefleischte Tanzskeptiker könnten durch dieses Indiespiel mit außergewöhnlicher Optik einen originellen Zugang zur kreativen und kunstvollen Bewegung finden.

Aber der Reihe nach: "Bound" entführt seine Spielerinnen und Spieler in abstrakt-geometrische Welten, die es so nur selten in Spielen zu sehen gab. Expressive Formen, unmögliche Architekturen, starkes Design und teils atemberaubende Ausblicke machen "Bound" zum rein optisch herausstechenden Trip aus Farben, Formen und Bewegung. In dieser bizarr-sterilen Fantasywelt bahnt sich eine Prinzessin auf Befehl ihrer titanenhaften Mutter einen Weg auf der Suche nach einem Retter vor einer dunklen Bedrohung. Eine der Hauptattraktionen von "Bound" ist dabei unbestritten die Animation dieser Protagonistin: Die grazilen, kunstvollen und anmutigen Bewegungen, mit denen die Heldin durch diese verwirrende Welt tanzt, läuft und springt, wurden unverkennbar von einer realen Meisterin ihrer Kunst per Motion Capturing eingefangen.

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Video: Trailer zu "Bound"

Tanzperformance in einer bizarren Welt

Die Navigation durch die bizarre Kulisse macht denn auch den Hauptteil des Gameplays aus, doch Herausforderungen, insbesondere haarige Sprungeinlagen, finden sich zum Glück nur sehr selten. So lässt sich der anmutige Tanz durch diese Welt auch besser genießen – besonders, wenn zur Abwehr von Gefahren oder bei den wenigen "Kämpfen" per Tastendruck vom normalen in den ausdrucksstarken Tanzmodus gewechselt wird. Die eigens für das Spiel erstellte Musik lässt das Spiel selbst zur Performance werden, in der Spielerinnen und Spieler immer wieder verblüfft über die sich ergebende Choreografie versinken – ein ziemlich einzigartiges Spielerlebnis.

Herausforderungen gibt es kaum und die das Spiel umrahmende Handlung um eine schwangere junge Frau ist wegen an der Grenze zur Mühsamkeit entlangschrammende Ernsthaftigkeit eigentlich entbehrlich. Dennoch macht die Synthese aus fantastischer Animation und beeindruckender abstrakter Welt "Bound" zu etwas ganz Besonderem, in der Tradition von "Journey", aber auch des Klassikers "Ico". Ein eigener Fotomodus erlaubt das Festhalten der sich ständig verändernden, wabernden Traumwelt, der die Wurzeln der Entwickler in der Demo-Szene durchaus sympathisch noch anzumerken sind.

"Bound" ist ein Gesamtkunstwerk in Bewegung, das in seiner Abstraktion und unmöglichen Architektur auch an die Visionäre der modernen Kunst und Architektur erinnert. Kunst? Kunst. (Rainer Sigl, 2.9.2016)

"Bound" ist für PS4 erschienen. UVP: 19,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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