Gleich und gleich gesellt sich gern: Der Partnerlook

Kolumne1. September 2016, 05:30
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Der Partnerlook geht über das Einswerden mit dem anderen hinaus – er führt die vermeintliche Einzigartigkeit ad absurdum

Vor einigen Wochen marschierten ein rotes Shirt und ein blaues Shirt, ein blauer und ein dunkler Rucksack, eine schwarze Outdoorhose und eine blaue Version von ihr einträchtig nebeneinander durch die Schweizer Alpen. Das Foto, das die britische Premierministerin Theresa May und ihren Ehemann Philipp zeigte, sollte der Öffentlichkeit signalisieren: Wir genießen unseren Urlaub. Und: Wir entspannen uns im Gleich und Gleich, wir lassen alle Sorgen los im Partnerlook.

foto: reuters/ pool

Das ist mehr als verständlich. In Zeiten, in denen Individualität großgeschrieben wird, bedeutet der Partnerlook mehr als nur das Einswerden mit dem anderen. Er führt die vermeintliche Einzigartigkeit ad absurdum und lenkt von der eigenen Erscheinung ab. Geteilte Aufmerksamkeit kann furchtbar entspannen, das wissen vor allem prominente Menschen zu schätzen. Cara Delevigne beispielsweise ist es gewohnt, von Paparazzi verfolgt zu werden. Auch sie probte zuletzt den Partnerlook.

Twins @margotrobbie 👯 #whatababe

Ein von Cara Delevingne (@caradelevingne) gepostetes Foto am

Cara Delevigne mit Schauspielkollegin Margot Robbie.

Sie trat gemeinsam mit Schauspielkollegin Margot Robbie auf. Beide trugen denselben seidig glänzenden Jogginganzug – individualisiert dank der eingestickten Namen auf der Brust. Der Auftritt scheint Spaß gemacht zu haben, Delevigne und Robbie teilten ihn mit ihren Fans auf Instagram.

Dort dürften sie auf Verständnis stoßen. Der Hashtag #partnerlook erfreut sich nämlich ungebremster Beliebtheit: Mann und Frau, Kind und Kegel huldigen da dem doppelten Auftritt. So wie Mary-Kate und Ashley Olsen, die heute zwar nicht mehr denselben Nachnamen tragen, aber immer wieder ihre Gemeinsamkeiten hervorkehren.

#olsentwins

Ein von @olsentwins gepostetes Foto am

Die Zwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen, heute Designerinnen.

Sie kennen seit Kindesbeinen an die Freuden des verpartnerten Sichanziehens, etwas, das im Sport einigermaßen alltäglich ist. Die Zwillinge Sanne und Lieke Wevers zum Beispiel gaben in Rio das doppelte Lottchen – und Sanne gewann so Gold.

foto: reuters/ mike blake
Sanne und Lieke Wevers

Auch Alice und Ellen Kessler, die gerade erst ihren 80. Geburtstag feierten, wurden über Jahrzehnte eins auf der Bühne.

Sie waren ihrer Zeit voraus. Und können sich heute wieder ganz unverkrampft in unterschiedliche Outfits werfen. (Anne Feldkamp, 1.9.2016)

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