"Ab Hof": Thomas Maurer als kabarettistischer Direktvermarkter

31. August 2016, 13:43
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Der Satiriker liest im Niedermair querbeet aus Texten der vergangenen Jahre

Wien – Nein, für "Weihnachten auf Gut Aiderbichl" ist es noch zu früh. Aber die "Seitenblicke" sind ebenso dabei, wenn Kabarettist Thomas Maurer auf seinen Hof lädt.

Eben wurde er für sein aktuelles Programm Der Tolerator zum dritten Mal seit dessen Bestehen in der Hauptkategorie mit dem Österreichischen Kabarettpreis bedacht. Mit dem Leseabend Ab Hof bietet er im Kabarett Niedermair indes "beim Umdrehen der Schubladen" und Durchschauen der Word-Dateien zum zweiten Mal Geerntetes. Es ist sozusagen ein Direktvermarkten aus den Vorratskammern des kreativen Berufsschreibenden: Nämlich "Texte aus eigenem Anbau". Wo der kabarettistische Nahversorger sie einstmals angebaut hat?

Das Dosenunglück

Etwa im, bevor Helmut Brandstätter das Blatt sehr wohl, ihn aber nicht übernommen hat, Kurier: Da holt in einer alten Kolumne die kapitalistische Wirklichkeit die kabarettistische Entstellung derselbigen ein. Oder im Gourmetmagazin A la Carte, für das Maurer dereinst mit Koch Walter Eselböck und Fotograf Ingo Pertramer das Nahrungsangebot der pannonischen Wildnis erforscht haben hätte sollen. Und einem Schweineschlachten beiwohnte: "vielfarbig glänzend und weich gefältelt", so die Innenansicht der Sau. Oder im Red Bulletin, dem Maurer statt des gegen finanzielle Vergütung erwartbaren Lobs der Dose ein Dosenunglück entrichtete. Ein zweiter Versuch folgte.

Auch der Radiosendung Welt Ahoi! und der ORF-1-Serie Bösterreich entstammen Beiträge. Mehr als die Autorenzeile haben die zwei Handvoll Texte – Reportagen, Kurzgeschichten, Kolumnen, das Drehbuch, Kraut und Rüben, manche in Gemeinschaftsarbeit mit unter anderen Florian Scheuba entstanden – in zweieinhalb Stunden nicht gemein, außer das Urteil: "bissl angegärt scho, aber hoit no".

Das sterbende Print melken

Unter ihnen ist wenig wirklich Deftiges. Statt feiner Marmorierung haben die über die Jahre im Druck erschienen Texte zuweilen reichlich (und nicht nur sprachliches) Fett angesetzt. Zeilenschinden, um das sterbende Print noch auszumelken, so viel es hergibt? Ja, in den Zwischenansagen kläfft er gegen die Auftraggeberhände, die ihn einst fütterten.

Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln, heißt es. Ein dummer Bauer ist Maurer gewiss nicht. Bloß ganz frisch sind die Erdäpfel (Lauda, Lugner und Strache, Biogutmenschen, SUV-Fahrer und Co.) halt nimmer. Manch pointiertere Ansagen und variationsreiche Stimmkunst in den Dialogsequenzen entschädigen aber. Der satirische Direktvermarkter traf auf hungriges Publikum. (Michael Wurmitzer, 31.8.2016)

Nächste Termine von "Maurer ab Hof" am Mittwoch um 20 Uhr und Donnerstag um 19.30 Uhr im Kabarett Niedermair

  • "Ab Hof": Leseabend mit Thomas Maurer.
    foto: lukas beck

    "Ab Hof": Leseabend mit Thomas Maurer.

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