Zwölf Rundgänge durch das einstige jüdische Burgenland

3. September 2016, 17:00
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Ein multimedialer Reiseführer präsentiert das noch vorhandene, neu entdeckte, jedenfalls aber wieder gepflegte Erbe in den zwölf jüdischen Gemeinden des Burgenlandes.

Eisenstadt/ Asch – Am Sonntag wird zum 17. Mal der Europäische Tag der jüdischen Kultur gefeiert. Das Burgenland nimmt daran zum zweiten Mal teil; mit Veranstaltungen im ganzen Land, von Asch – so der jüdische Name für Eisenstadt, eine Abkürzung mit den hebräischen Buchstaben A(lef) und S(chin) – bis Güssing. Die burgenländische Forschungsgesellschaft hat zeitgerecht dafür eine feine, multimediale Zusammenschau des besuchbaren, begehbaren jüdischen Erbes aufgelegt. Eine schmale Broschüre, und eine dazugehörige, Smartphon-fähige Homepage präsentiert Rundgänge durch alle zwölf jüdischen Gemeinden.

Die "Jüdischen Kulturwege im Burgenland" sind auch mit ausdrücklich touristischen Hintergedanken erstellt worden. "Wir wollen die Broschüre auch in den Tourismusbüros auflegen", sagt der Historiker Gert Tschögl, der Herausgeber, "oder zum Beispiel in den Thermen." Man will Gusto machen auf die besondere jüdische Geschichte des Landes.

Lokale Initiativen

Dass dieser Reiseführer überhaupt möglich ist, verdankt sich auch oder vor allem den lokalen Initiativen, die mit viel Engagement darangegangen sind, die eigene jüdische Geschichte vorm Verblassen zu bewahren.

Teils sind das Einzelinitiativen wie in Kittsee, wo die pensionierte Hauptschuldirektorin Irmgard Jurkovich seit den frühen 1980er Jahren tätig ist. Teils auch Vereine wie etwa Re.Fugius, der den Kreuzstadl in Rechnitz betreut, die beeindruckende Gedenkstätte für das Massaker an 200 ungarischen Juden. Und dann gibt es natürlich mit dem Eisenstädter Museum, dem ersten jüdischen Museum in Nachkriegsösterreich, ein weithin beachtetes Zentrum jüdischer Geschichtspflege.

Da und dort konnte auf Vorhandenes aufgebaut werden wie in Mattersburg, wo zwei Häuser des einstigen Judenviertels noch originalgetreu stehen. Teils aber wurde geradezu archäologisch geforscht, wie in Frauenkirchen, wo das Fundament einer barocken Synagoge entdeckt worden ist.

Gemeinsame Aufgabe

Am Jahresanfang, so Tschögl, habe man alle örtlichen Initiativen an einem Tisch versammelt. Man beriet mögliche Aktivitäten zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Aber bald sei klar gewesen, dass es hoch an der Zeit wäre, die einzelnen Bemühungen als etwas Gemeinsames darzustellen. Das sei mit diesem Reiseführer geschehen, in dem auch die örtlichen Ansprechpartner zu finden sind, mit denen sich auch Führungen arrangieren ließen. Und Antworten auf so naheliegende, aber auf die Schnelle oft schwer zu beantwortende Fragen: Wo gibt es den Schlüssel zum versperrten jüdischen Friedhof?

Über Smartphone oder Tablet kann sich der Wanderer dann begleiten lassen auf den Rundgängen. Weiterführende Links vertiefen die Information. Videos von Interviews mit Vertriebenen der jeweiligen Ortschaft veranschaulichen sie. Teils sehr schmerzhaft.

Mit den Rundgängen durch die Sieben-Gemeinden, die Scheva Kehillot, im Norden und die fünf Gemeinden im Südburgenland ist Österreich nun auch Teil der "European Routes of Jewish Heritage". (Wolfgang Weisgram, 3.9.2016)

  • Einer unter zunehmend mehr jüdischen Gästen: Rabbi Isaak Ehrenfeld aus Mattersdorf/Israel besucht Mattersburg/Burgenland
    foto: wir erinnern/ johann gallis

    Einer unter zunehmend mehr jüdischen Gästen: Rabbi Isaak Ehrenfeld aus Mattersdorf/Israel besucht Mattersburg/Burgenland

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