Herbert Kloiber hat "nicht die Absicht", ATV zuzusperren

31. August 2016, 18:04
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Eigentümer will Privatsender ATV bis Ende 2017 loswerden – Die Hoffnung in die Medienpolitik hat er noch nicht ganz aufgegeben

Wien – Herbert G. Kloiber versucht es mit einer neuen Verkaufstechnik: "ATV war mein größter Fehler", sagt der Programmhändler dem "Handelsblatt". Zweistellige Millionenverluste habe ihm der österreichische Privatsender eingetragen. Dazu das Verkaufsinserat: Bis Ende 2017 will Kloiber den Sender loswerden.

Bisher dementierte Kloiber jede Verkaufsabsicht und redete doch immer wieder mit potenziellen Käufern. Die Preisvorstellungen sollen sich von einst dreistelligen Millionenbeträgen längst um die 30 Millionen eingependelt haben.

Die "Krone" wurde als Interessent gehandelt, Österreich und eine kanadische Mediengruppe. Selbst ORF-Managern soll Kloiber seinen Sender angedient haben.

Hauptverdächtige waren die großen deutschen Privatsendergruppen, die mit Werbe- und Programmfenstern den privaten österreichischen Fernsehmarkt beherrschen. Während Österreichs Medienpolitik nationales Privatfernsehen über Jahrzehnte verhinderte, grasten RTL und ProSiebenSat.1 mit Werbefenstern, später mit Programmfenstern und eigenem Sender (Puls 4) den Werbemarkt neben dem ORF ab. Ohne oder mit sparsamen Programmen für Österreich waren auch weit billigere Werbepreise möglich. Mit denen sich ein eigener nationaler Sender wie ATV nicht ausging.

Umlaufrendite

Kloiber verhandelte etwa mit der RTL Group und ProSiebenSat.1. Selbst mit besten Konzernsynergien würde der Sender noch einstellige Millionenverluste schreiben, hört man über die Kalkulationen in München und Köln. Die ATV Privat TV GmbH & Co KG wies seit 2008 nur einmal ein einstelliges Minus aus, alle übrigen Jahre waren zweistellig negativ. Letzter verfügbarer Wert: 13,6 Millionen Minus 2014. Umsatz: rund 34 Millionen Euro.

grafik: der standard

Im Gespräch mit dem STANDARD räumt Kloiber ein: Mit Verlustabschreibungen und Programmkäufen kam und kommt ATV den Gesamtkonzern Tele München Group nicht so teuer zu stehen, im Konzern habe der Sender schon "eine Umlaufrendite". Aber: Sein Sohn Herbert L. Kloiber habe mit dem Mediengeschäft in Österreich "weniger als nichts zu tun". Er werde "nicht mit dem gleichen Enthusiasmus den 17. Minister treffen", der im österreichischen Rundfunksystem wieder "keine Voraussetzungen für ein blühendes Geschäft wie in Deutschland" schaffe. RTL 2 schaffe dort mit vier bis sechs Prozent Marktanteil in der Werbe zielgruppe 300 Millionen Umsatz und 60 Millionen Gewinn vor Steuern.

Bereinigung des Portfolios

Zum 70. Geburtstag will der Wiener Kloiber seinen Medienkonzern Sohn Herbert L. Kloiber übergeben, ohne ATV. Bis zu diesem 6. Dezember 2017 wird sich Kloiber senior um "die Bereinigung unseres Portfolios kümmern. Ich will meinem Sohn kein Danaergeschenk machen."

Was, wenn sich kein Käufer findet? "Ich habe mit Sicherheit nicht die Absicht, so ein Unternehmen zu schließen", sagt Kloiber. Konkrete Verkaufsgespräche führe er bisher nicht. Er sieht sich "in einer Phase der Sondierung". (fid, 31.8.2016

>>> Weiterblättern zur ursprünglichen Meldung vom Mittwochvormittag, Seite 2.

  • Nach den Bauern sucht ATV mit Arabella Kiesbauer (Mitte) derzeit Wirtsleuten neue Partner. ATV-Eigentümer Herbert G. Kloiber sucht für seinen Sender einen neuen Wirt.
    foto: atv / ernst kainerstorfer

    Nach den Bauern sucht ATV mit Arabella Kiesbauer (Mitte) derzeit Wirtsleuten neue Partner. ATV-Eigentümer Herbert G. Kloiber sucht für seinen Sender einen neuen Wirt.

  • "ATV war mein größter Fehler.  Mit ATV habe ich bislang Verluste  in zweistelliger Millionenhöhe gemacht": Herbert G. Kloiber
    foto: tmg / andreas büttner

    "ATV war mein größter Fehler. Mit ATV habe ich bislang Verluste in zweistelliger Millionenhöhe gemacht": Herbert G. Kloiber

  • "Kein Danaergeschenk" für Sohn Herbert L. Kloiber.
    foto: tele münchen/sveinn gunnar baldvinsson

    "Kein Danaergeschenk" für Sohn Herbert L. Kloiber.

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