Wenn Airbnb den Kapitalismus auslöscht

30. August 2016, 19:22
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Zipcar-Gründerin Chase: Sharing Economy kombiniert mit Grundeinkommen als neues Wirtschaftsmodell

Alpbach – Angst vor sozialem Abstieg, Jobverlust, Klimawandel und viele andere Bedrohungen setzen der Menschheit zu. Mit herkömmlichen Ansätzen wird sich die Welt nicht verbessern lassen, ist Robin Chase überzeugt. Die Mitbegründerin der Plattform Zipcar sieht hingegen in den Sharing-Modellen einen Lösungsansatz. Teilen statt Besitzen, lautet das Motto, das dem Kapitalismus überlegen sei. Dessen Untergang hat die Buchautorin (Peers Inc) beim Europäischen Forum Alpbach bereits ausgerufen.

Jetzt sei Zeit für etwas Neues, und das lautet klarerweise Sharing – ob Autos gepoolt und genutzt werden wie bei Zipcar oder Wohnungen geteilt werden wie bei Airbnb. Mit den Plattformen würden Überkapazitäten genutzt, Lösungen für Probleme international gesucht, exponentielles Lernen vorangetrieben. Vernetzung sei der Einzelleistung überlegen. Open Source sei ein solches Beispiel. Oder eben Airbnb: Die Plattform wurde in vier Jahren zur größten Hotelkette der Welt. Der Aufbau eines derartigen Unternehmens auf herkömmliche Art sei in dieser Zeit nicht zu verwirklichen, betont Chase. Durch die Nutzung vorhandener Ressourcen werde mit Uber & Co auch der Klimawandel deutlich eingedämmt, glaubt die Amerikanerin.

Protest gegen Uber

Doch wie wirken sich die Plattformen auf die Arbeit aus? In Europa demonstrieren Taxifahrer wegen der drohenden Verdrängung durch Uber und andere, die Hotellerie ächzt unter der Konkurrenz von Airbnb. Chase streitet das gar nicht ab. "Die Art und Weise, wie wir unseren Lebensunterhalt verdienen, ist gefährdet", sagt sie im Tiroler Dorf der Denker. Allerdings werde dieser Wandel ohnehin erfolgen, es gelte, ihn richtig zu gestalten. Der fixe Job wird zum Minderheitenprogramm. Künftig würden befristete Projekte dominieren, die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem verschwinden.

Die Finanzierung des Alltags werde dadurch massiv erschwert. Die Unternehmerin bringt daher ein Grundeinkommen ins Spiel, bei dem Geld auch ohne Ausübung eines Jobs fließt. Das ermögliche den Menschen, das zu tun, was sie gerne tun. Finanziert werden soll das Grundeinkommen aus der Besteuerung der Plattformen, zumal das Aufkommen aus der Lohnsteuer bei wegbrechenden Jobs ohnehin schrumpfen werde. (as, 31.8.2016)

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