Wie sich Singvögel rund um die Welt verbreiteten

31. August 2016, 05:30
1 Posting

Laut aktueller Studie entstanden Singvögel in Australien und verbreiteten sich von dort aus von Insel zu Insel

Lawrence – Singvögel stellen mit rund 5.000 Spezies die artenreichste Gruppe innerhalb der Vögel. Aufgrund von Fossilien und DNA-Untersuchungen nehmen Experten an, dass die Singvögel in Australien entstanden. Doch wie und wann breiteten sie sich über den Globus aus? Robert Moyle (Uni Kansas in Lawrence) und Kollegen behaupten nun, dass die ersten Singvögel vor 33 Millionen flatterten und damit viel jünger sind als bisher angenommen. Von Australien aus verbreiteten sie sich dann nach Asien und von dort aus um die Welt.

Moyle und seine Mitarbeiter analysierten für ihre im Fachjournal in "Nature Communications" das Erbgut von 104 Singvogel-Arten. Sie repräsentieren zusammen etwa 70 Prozent aller Singvogel-Familien, so die Forscher. Die Experten rekonstruierten mit Hilfe der genetischen Daten die Verwandtschaftsbeziehungen und ermittelten, wie alt die jeweiligen Spezies sind.

Demnach entstanden die Singvögel in Australien, und zwar vor etwa 33 Millionen Jahren während des Eozäns. Zu diesem Zeitpunkt lagen tausende Kilometer zwischen Australien und dem nächsten Kontinent. Neue Arten entstanden folglich zunächst in Australien, ab einem Zeitpunkt vor etwa 28 Millionen Jahren. Dieser Prozess beschleunigte sich vor etwa 23 Millionen Jahren.

Neue Inseln führten zur Artenexplosion

Die "Artenexplosion" fiel zeitlich mit dem Auftauchen neuer Inseln in der Wallacea-Region zusammen, berichteten die Wissenschafter nach biogeographischen Analysen. Die Wallacea ist ein Übergangsgebiet zwischen Australien und Asien, in dem Tierarten beider Kontinente zu finden sind. Ihre Untersuchung versöhne Erkenntnisse zur Evolution der Singvögel mit der Geschichte der Erde, schrieben die Forscher.

"Unseren Schätzungen zufolge sind die Singvögel nur halb so alt wie bisher angenommen. Sie entwickelten sich demnach in einer ganz anderen geologischen Landschaft als zuvor gedacht", erläuterte Mitautor Carl Oliveros von der Universität von Kansas. "Das stellt auch vorherige Hypothesen zur Ausbreitung der Singvögel nach Afrika über Landmassen im Indischen Ozean infrage, denn die Landmassen lagen zu dem Zeitpunkt, den wir für die Diversifizierung annehmen, unter Wasser."

Auch die Insel Neuguinea habe anders als bisher angenommen vermutlich keine Rolle für die frühe Aufspaltung der Singvogel-Arten gespielt. Die große Artenvielfalt dort sei vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Insel als Rückzugsgebiet für Spezies gedient hat, die in Australien entstanden waren, aber dort aufgrund von veränderten Umweltbedingungen nicht mehr leben konnten.

Heute sind Singvögel – abgesehen von der Antarktis – rund um den Globus zu finden. Zu ihnen gehören bekannte und verbreitete Arten wir Krähen und Spatzen, Sangeskünstler wie Leierschwänze oder die Nachtigall oder die Familie der Rabenvögel. (APA, red, 31.8.2016)

Share if you care.