Klick und kauf: Die interessantesten Onlineshops

17. September 2016, 15:00
28 Postings

Net-A-Porter kennt man. Aber auch auf kleinen Onlinemarktplätzen lassen sich Designer entdecken – gerade wurde der Wiener Webshop Uniqkorn eröffnet

Ein Jahr lang habe ich an der Programmierung des Shops gearbeitet, jetzt geht's endlich los." Der Wiener Lauris Bernhart (25) hat vor ein paar Wochen Uniqkorn, einen Onlineshop für Mode, gelauncht. Der sieht so aus, wie geschmackssichere Kunden sich das wünschen: aufgeräumt, durchdacht, viel Weißfläche, wenig Chichi. Wer sich durch den Shop klickt, entdeckt roséfarbene Neoprenrucksäcke, iPhone-Natursteingehäuse aus Sankt Johann im Pongau oder feine Freundschaftsbänder, in Wien geknüpft.

Onlineshops, die auf individuelles Design statt auf Masse setzen, sind in den letzten Jahren wie die Schwammerln aus dem Netz geschossen. Sie setzen den übervollen Shops, der austauschbaren Ware der übermächtigen Retailer Individualität und Abwechslung entgegen. Die Stärke von Marktplätzen wie Uniqkorn liegt auf der Hand: Über sie lassen sich Designer und Produkte entdecken, die nicht jeder hat und nicht jeder trägt, weil sie nicht an jeder Ecke erhältlich sind.

Im Webshop von Uniqkorn heißen die Labels DG Design, Sightline, Neat Accessories – rund vierzig Designer aus Deutschland und Österreich bieten derzeit unter dem Dach des neuen Onlineshops mit Sitz in Wien ihre Ware an. Bald sollen weitere europäische Designer dazukommen. Wichtig sei ihm, dass die Sachen tragbar und erschwinglich seien, erklärt Bernhart: Zwischen 50 und 600 Euro kosten die großteils minimalistischen Kleider, Taschen, Accessoires.

Mit viel Enthusiasmus

Das in Wien ansässige Start-up ist mit geringem Budget und viel Enthusiasmus bei der Sache: Das Shopgerüst haben die Uniqkorn-Macher in Eigenregie gezimmert. Lauris Bernhart hat seinen Bruder und einen Freund – Mathematiker und "für komplexe Dinge wie die Datenanalyse verantwortlich" – eingespannt. Außerdem mit im Team: eine Grafikerin und zwei Bloggerinnen. Sie haben die Designer recherchiert, kontaktiert und motiviert, bei Uniqkorn mitzumachen. Produkt- und Bildauswahl haben die Designer selbst in der Hand, Fotos werden eigenhändig hochgeladen, die Ware wird selbst verschickt.

Modedesignerin Katrin Mayer ist eine von jenen, die mitmachen. Die in Wien lebende Designerin entwirft seit 2013 schlichte Kollektionen in Schwarz, Grau, Weiß. Die Situation ihres Labels mag symptomatisch sein: kein Budget bei der Hand, um Werbung zu machen – und meist noch weniger Budget, um einen eigenen Shop zu eröffnen. Bislang sind Mayers Kollektionen in drei Wiener Geschäften zu kaufen, Uniqkorn ist der erste Webshop, in dem ihre Mode erhältlich ist.

"Der Onlineshop übernimmt für mich Marketing und PR, vor allem über Social Media entstehen Synergieeffekte", erklärt sie. Noch dazu gehen Designer wie Mayer auf Uniqkorn kein finanzielles Risiko ein. 15 Prozent jedes verkauften Stücks werden an den Webshop abgegeben. Das sei besser, als im Geschäft Ware auf Kommission zu verkaufen, so die Designerin.

Was die Onlinespezialisten, die sich im Windschatten von Zalando und Co positionieren, gemein haben: Sie setzen Neugierde und Entdeckertum voraus – so wie Nelou. Den Marktplatz, der 2009 unter dem Namen Styleaut von dem Österreicher Boris Berghammer in Wien gegründet worden war, hat im letzten Jahr der Berliner Internetunternehmer Michael Keuntje übernommen.

Hartes Geschäft

Der Neue, der mit seiner Agentur Sternzeit Media auch Reiseportale betreut, empfindet das Onlinegeschäft im Modebereich als ein noch härteres Geschäft denn das Reisesegment. An Nelou will er zwar einiges ändern, doch am Grundkonzept des Shops hält Keuntje fest: Die Plattform will internationale Designermode an eine Kundschaft bringen, die Alternativen sucht. "Mit Begriffen wie Individualismus und Design wirbt die große Industrie, wir aber stehen wirklich dafür", ist Keuntje überzeugt. Derzeit bieten auf Nelou rund 300 Designer ihre Ware "direkt aus den Ateliers und Modewerkstätten" an. Die Kundschaft ist, wie eine Analyse ergab, einschlägig: Sie besteht aus Künstlerinnen, Architektinnen, arbeitenden Frauen.

Auch Not Just A Label, eine 2008 von dem in London lebenden Südtiroler Stefan Siegel gegründete Onlineplattform, steht fürs Experimentelle, Künstlerische, Abseitige. Dem Umfang der Website tut das keinen Abbruch. Auf ihr präsentieren sich heute rund 20.000 internationale Designer. Im Shop von Not Just A Label kommen die erfolgreichsten Modemacher derzeit aus der Ukraine. Für Designer aus einkommensschwachen Ländern ist der Webshop eine besondere Chance: 70 Prozent des Verkaufspreises landet in den Taschen der Designer, das kann sich bei einigen Hundert Euro lohnen. Aber nicht alle gelisteten Designer verkaufen hier ihre Mode, Not Just A Label soll ähnlich wie Linkedin oder Facebook auch als Vernetzungsplattform funktionieren.

Rund 100 Designer auf Lieblingsbrand

"Lieblingsbrand" hingegen, 2015 mit einer Crowdfundingkampagne angeschoben, ist ausschließlich Webshop. Mittlerweile haben hier rund 100 Designer ein eigenes Profil, diese Vielzahl hat Vorteile: "Alle Designer machen selber Werbung und bringen ihre Kunden mit." Diese legten ihre Ware lieber in einem Warenkorb ab, als in hundert einzelnen Onlineshops einzukaufen: " Für "independent designer" ist es wichtig, gemeinsam in einem großen Onlinekaufhaus gelistet zu sein, das verschafft ihnen zusätzlich Sichtbarkeit", erklärt die in Wien lebende Initiatorin Cloed Baumgartner.

Großer Gewinner auf lieblingsbrand.at, schiebt sie hinterher, sei das Taschensegment. Die Bestseller heißen dort "Leopold" und "Friedolin". Sie sind Rucksäcke der Labels lu Design und Milch. Letzteres wird von der Shop-Initiatorin Baumgartner betrieben – und die weiß eben, wie man's macht. (Anne Feldkamp, RONDO, 17.9.2016)

Uniqkorn wurde in Wien als Onlineshop für europäisches Modedesign gegründet. Derzeit sind rund 40 Designer aus Österreich und Deutschland vertreten.

foto: hersteller

Der Wiener Onlineshop Lieblingsbrand wurde 2015 über eine Crowdfundingkampagne lanciert. Heute sind auf der Plattform rund 100 Designer vertreten.

foto: hersteller

Die in London ansässige Plattform Not Just A Label wurde 2008 gegründet und ist mehr als nur ein Shop. Spezialisiert auf schräges internationales Modedesign.

foto: hersteller

2009 wurde die Plattform Nelou als Styleaut gelauncht. Momentan bieten über 300 Designer Mode an, der Shop wird derzeit von Berlin aus neu ausgerichtet.

foto: hersteller
  • Die handgemachten Taschen der  Berliner Designerin Sarah Johann sind  im Onlineshop Uniqkorn zu haben.
    foto: patrick desbrosses

    Die handgemachten Taschen der Berliner Designerin Sarah Johann sind im Onlineshop Uniqkorn zu haben.

Share if you care.