Die ETH Zürich: Geschätzt, beneidet, nachgeahmt

31. August 2016, 10:51
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Während andere Unis von Krisen gebeutelt werden, scheint es mit der ETH Zürich konstant bergauf zu gehen

Alpbach – Wer an der ETH Zürich studiert oder lehrt, kann sich der Bewunderung oder zumindest des Neids seiner Umwelt sicher sein. Diese Bildungs- und Forschungsinstitution kennt und schätzt man weltweit, in den internationalen Rankings ist sie immer weit vorne dabei. Was macht diese Technische Hochschule so erfolgreich? Um etwas über die Erfolgsstrategien der eidgenössischen Alma Mater zu erfahren und sich vielleicht das eine oder andere abzuschauen, wurden Vertreter der ETH Zürich als Special Guests zu den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen eingeladen.

Ein zentrales Thema war unter anderem der relativ freie Hochschulzugang, der in Österreich für Massenstudien und bei vielen für Zähneknirschen sorgt. Wie halten es die Eidgenossen damit? "Bei uns dürfen sich alle Schweizer einschreiben, die ihre Matura geschafft haben", sagte Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH. Aber im ersten Jahr werde dann ausgesiebt: Nur 65 bis 70 Prozent schaffen diese Hürde im ersten Anlauf. Dass bis zum Bachelor der Ausländeranteil der ETH-Studierenden nur 15 Prozent beträgt, mag erstaunen, da er bei den Masterstudierenden bereits bei 35 Prozent und bei den Doktoranden sogar bei 75 Prozent liegt.

Ein Mix aus privat und Staat

Der Grund für den großen Anteil an Inländern in der Studieneingangsphase sei im hohen Commitment der Schweizer für ihre Elitehochschule zu finden, die von der Politik auch problemlos mit den nötigen Mitteln versorgt wird. "Wir wollen den Schweizern alle Chancen geben", so Günther.

Und wie sieht es mit den Studiengebühren aus? "Die sind, im Gegensatz zu allem anderen in Zürich, mit 580 CHF (umgerechnet rund 530 Euro) pro Semester eher niedrig", sagte Günther. Wären die Gebühren höher, würde die Uni möglicherweise mehr Studierende aufnehmen, als ihr guttut. Zurzeit sind es rund 19.000, davon 4000 Doktoranden und 1200 Post-Docs. Sie werden von einer 500-köpfigen internationalen Professorenriege betreut.

Zur Finanzierung der Elite-Uni trägt natürlich auch die Industrie einen nicht unwesentlichen Teil bei. Immerhin gehen die meisten ETH-Alumni in die Schweizer Industrie und unterstützen ihre ehemalige Ausbildungsstätte von dort aus großzügig.

Aber auch die ETH fördert ihre Studierenden ausgesprochen engagiert – vor allem die besonders begabten und ambitionierten, für die zahlreiche Stipendien zur Verfügung stehen. Etwa die Pioneer-Fellowships, mit denen junge Forscher bei der Entwicklung innovativer Produkte oder Dienstleistungen auf Basis ihrer wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt werden. Eines dieser Stipendien ging etwa an die Biomechanikerin Sabrina Badir, die ebenfalls in Alpbach zu Gast war. Mit dem Pioneer-Fellowship konnte sie nach Abschluss ihrer Dissertation eine Firma gründen, in der sie mit inzwischen vier Mitarbeitern ein Gerät zur besseren Bestimmung des Frühgeburtsrisikos entwickelt hat. "Mit dem guten Coaching und der finanziellen Unterstützung konnten wir unser Projekt in eine Geschäftsidee umsetzen", sagte die junge Schweizerin, die ursprünglich überhaupt nicht an eine Karriere als "Scientific Entrepreneur" dachte.

Um aus einer guten Idee eine Innovation und aus der schließlich ein gutes Geschäft zu machen, bedarf es gezielter fachlicher und finanzieller Förderungen. Wie gut die ETH diese einzusetzen versteht, belegen die durchschnittlich 250 Erfindungen sowie die Gründung von 20 bis 25 Spin-off-Betrieben pro Jahr.

"Unsere Grundpfeiler sind die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung bis hin zur Prototypenentwicklung", so Gerhard Schmitt, Professor für Informationsarchitektur und Gründungsdirektor des Singapore-ETH Centre. In Kombination mit der globalen Ausrichtung der ETH, den weltweiten Verbindungen ihrer Professoren und Studierenden sowie einer großen Offenheit auch in Hinblick auf die Methoden tragen diese Pfeiler heute eine der erfolgreichsten Innovationsschmieden weltweit. Ein typisches Beispiel für die internationale ETH-Forschergemeinde ist der aus der Ukraine stammende Chemiker Maksym Kovalenko, der an der Johannes-Kepler-Uni in Linz promovierte, an der University of Chicago forschte und seit 2011 an der ETH arbeitet.

Nach Schweizer Vorbild

An der ETH schätzt Kovalenko vor allem die Freiheit, die sie den Forschern trotz der engen Industriekooperationen gewährt. Die Reihe an Auszeichnungen, die er für die Erforschung neuer Nanomaterialien einheimste, scheint die Effektivität dieser Haltung zu bestätigen.

Insgesamt eine Schweizer Erfolgsgeschichte, von der man sich durchaus etwas abschauen kann – so wurde vom Wissenschaftsministerium nach dem Vorbild der ETH Pioneer Fellowships vor kurzem etwa das Förderprogramm Young Innovators Austria beschlossen, um die Gründung universitärer Spin-offs anzukurbeln. Damit sollen 50 Gründungsteams mit jeweils bis zu 500.000 Euro gefördert werden. Insgesamt investiert das Ministerium in den nächsten drei Jahre 15 Millionen Euro für dieses Programm. (Doris Griesser, 31.8.2016)

  • Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt – mit Aufwärtstrend.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt – mit Aufwärtstrend.

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