Porr mit historisch hohem Auftragsbestand von fünf Milliarden Euro

30. August 2016, 13:43
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Teerag-Asdag wird in die Porr fusioniert, Wohnbau sorgt für Vollauslastung im Hochbau

Wien – "Wir haben ein gutes erstes Halbjahr hinter uns und ein gutes zweites Halbjahr vor uns", sagte Porr-Chef und Miteigentümer Karl-Heinz Strauss am Dienstag. Der Auslandsanteil liegt bereits bei 46 Prozent, der Auftragsbestand stieg auf über fünf Milliarden Euro. Getragen nicht durch einzelne Großprojekte, sondern durch die "breite Mitte" mit Auftragsvolumen von 20 bis 50 Millionen Euro. Auf dem Heimatmarkt Österreich sei die Porr Marktführer, im Hochbau gebe es dank des Wohnungsbaus nahezu eine Vollauslastung, so Strauss.

Der Tiefbau hingegen sei schwierig, weil hart umkämpft. Einmal mehr pochte Strauss auf eine Zweckbindung der Mineralölsteuer, damit die Gemeinden die notwendigen Investitionen in den Straßenbau tätigen.

Fusion mit Teerag

Nach jahrelangen Querelen übernahm die Porr 2010 den Anteil der Wiener Stadtwerke von 47 Prozent an der Teerag-Asdag und hält seither 100 Prozent. Jetzt, Mitte September, wird die Straßenbaufirma in die Porr hineinfusioniert. Künftig werde mit einer Marke (Porr) aufgetreten, so Strauss, der mittlerweile auch die Teerag-Mitarbeiter auf seiner Seite weiß.

Zu den Heimatmärkten der Porr gehören neben Österreich noch Deutschland, die Schweiz, Tschechien und Polen. "Der Balkan ist Porr-frei", hielt Strauss fest. Aus Slowenien, Kroatien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Serbien habe man sich zurückgezogen. Der Grund: Mitunter seien die Container gestohlen, bevor man noch zu arbeiten begonnen habe.

In Deutschland gehöre die Porr zu den Top Fünf, nicht zuletzt weil in den vergangenen Jahren etliche deutsche Baufirmen aufgeben mussten. Es bestehe ein Nachholbedarf bei der Sanierung der Infrastruktur. "Wir bauen quer durch ganz Deutschland im Hochbau", so Strauss. Polen laufe ebenfalls gut, durch den Regierungswechsel seien aber viele Projekte auf dem Prüfstand. Im Vorjahr wurde in Polen der Tiefbaubereich von Bilfinger übernommen.

Nach etlichen Problemen habe sich die Tochter in der Schweiz sehr positiv entwickelt, die Porr sei unter den Top Drei. 2012 hat Strauss die komplette Mannschaft in der Schweiz ausgetauscht und die vorhandenen Schäden "ausgebügelt". Das habe einen zweistelligen Millionenbetrag in Franken gekostet. Tschechien komme aus dem "Tal der Tränen" heraus, "wir wachsen wieder".

Interne Umstrukturierung

Zu Jahresbeginn hat die Porr intern umstrukturiert und das Österreich-Geschäft mit jenem der Schweiz und Tschechiens zusammengelegt. In Deutschland wurde alles in einer Gesellschaft gebündelt. Im Hochbau sei die Porr hier bis 2018 ausgelastet, der Tiefbau komme zunehmend ins Laufen. Schwierig sei es jedoch, geeignetes Personal zu finden. Es gelte deshalb, den Beruf beziehungsweise das Studium des Bauingenieurs zu heben. Wenn ein Praktikant komme, werde diesem mitunter das Studium weiterbezahlt, nur damit er bleibt.

In Katar werden die U-Bahn-Linien von Porr ausgestattet, der Auftragswert beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Norwegen habe eine neue Bedeutung für die Porr, das Land investiere sehr viel in die Infrastruktur. Ein wachsames Auge hat der Baukonzern mit 15.000 Mitarbeitern auf Schweden und Dänemark, während Russland und Finnland nicht infrage kämen.

In Katar baut die Porr gemeinsam mit Partnern ein Fußballstadion, das nach der Fußball-WM auf 23.000 Plätze reduziert wird. Die restlichen Kapazitäten verschenken die Katarer an Somalia. Kurz- und mittelfristig könnte auch der Iran ein Thema werden. (cr, 30.8.2016)

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