WLAN-Router: Von der hässlichen Kiste zur Designer-Hardware

9. Oktober 2016, 16:55
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Künftig sollen mehrteilige Systeme für guten Empfang und hohe Bandbreite sorgen

WLAN-Router sind für vieles bekannt. Sie versorgen Wohnungen, Büros und Cafes mit drahtloser Internetanbindung, sie fallen regelmäßig mit Sicherheitslücken durch veraltete oder schlampig programmierte Firmware auf und sind Experimentierfeld für findige Programmierer, die versuchen, sie mit eigener Software und Funktionen zu erweitern.

Eher verschrien sind sie allerdings für ihre Ästhetik. Das Design der Geräte schwankt in der Regel zwischen Reminiszenzen an die IT-Ausstattung der frühen 1990er-Jahre, alten Sci-Fi-Serien und der Kombination aus schwarzgefärbten, kantigen Gehäusen und grellen LEDs, wie man sie von Gaming-Hardware kennt.

Wandel

In den letzten Jahren ist allerdings ein Wandel zu bemerken. Zunehmend mehr Geräte fallen mit ungewöhnlichen Formen und dezenterem Äußeren auf. Meist simplistisch gehalten, muss die neue Generation der IT-Heimausstattung nicht mehr verschämt in einem Eck versteckt werden, um dort möglichst unsichtbar ihren Dienst zu tun.

Denn langsam hält ein neues Paradigma Einzug. Statt einem Router für alles sollen künftig mehrteilige Anordnungen in die Haushalte einziehen. Das verlangt nicht nur nach neuen technischen Lösungen, sondern auch mehr Augenmerk für die Optik, schreibt Wired.

Orbi, Eero, Luma

Bei Netgear entwickelt man etwa Orbi. Das Tri-Band-System besteht aus einem Router und optionalen "Satelliten" und soll drahtlose Internetnutzung mit hohen Bandbreiten auf über 300 Quadratmeter Fläche ermöglichen. Vom Design her erinnert das Hauptgerät dabei mehr an eine moderne LED-Nachttischlampe, denn an eine antennengespickte Box.

Auch andere Systeme, zum Beispiel Eero oder Luma, setzen auf ein ähnliches Prinzip. Statt einem Gerät die ganze Arbeit aufzubürden, was fast zwangsläufig Empfangslücken zur Folge hat, setzen sie auf ein Netzwerk an kleineren Einheiten, die intelligent zusammenarbeiten.

eero

Sie sollen dort hohe Bandbreite verfügbar machen, wo sie gerade benötigt wird. Im Zeitalter von Youtube, Netflix, Musikstreaming und dem Internet der Dinge will man so mehrere Problemherde lösen. Vor allem die Performance und Abdeckung sollen verbessert werden, auch in puncto Sicherheit erwartet man Fortschritte.

Zentrale Platzierung verlangt bessere Ästhetik

Damit so ein System gut funktioniert, muss der zentrale Hub, der für die Verwaltung der einzelnen "Satelliten" zuständig ist, möglichst zentral platziert werden. Während man sich in Büros hier mit einer klobigen Box zufrieden gibt, liegen die ästhetischen Ansprüche in den eigenen vier Wänden höher.

Daher folgen die Hersteller dem Ansatz "minimalistisch, aber ansprechend". Und weil der Hub nicht mehr für die vollständige Versorgung zuständig ist, lassen sich die Geräte entsprechend dezenter gestalten. Ein gemeinsamer Nenner ist etwa das Verstecken der Antennen im Inneren der Gehäuse. Deren gleichzeitige Verkleinerung sorgt freilich für andere Probleme, wie Hitzeentwicklung. Also müssen sich die Designer auch damit befassen, wie sie Schlitze und Öffnungen zur Belüftung optisch ansprechend und zweckdienlich platzieren.

netgear

Designkriterium Kundenverhalten

Auch das Verhalten der Kunden muss bei der Gestaltung beachtet werden, erklärt man bei Eero. Die flachen Geräte des Herstellers sind wie eine Einladung, auf ihnen Bücher oder andere Dinge abzulegen, was verheerende Auswirkungen auf die Signalstärke haben kann. Man entschied sich folglich dafür, die Oberseite zu wölben, womit man sich auch mehr Raum für die Antennenplatzierung verschaffen konnte.

Bis mehrteilige Routersysteme in der Masse Fuß fassen werden, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Denn die Sets sind noch teuer, Netgear Orbi Anfang November in den deutschen Handel und wird dann als Kombination aus Router und einem "Satelliten" 430 Dollar kosten. Ein Preis, den wohl nur Early Adopter zu zahlen bereit sind. (gpi, 9.10.2016)

  • Geräte wie Eero sollen im Haus verteilt werden können, ohne störend ins Auge zu fallen.
    foto: eero

    Geräte wie Eero sollen im Haus verteilt werden können, ohne störend ins Auge zu fallen.

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