Schröcksnadel: "Ohne Projekt Rio hätten wir ein Desaster erlebt"

30. August 2016, 15:16
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ÖSV-Präsident sieht Aufgaben des Projekts erfüllt. Minister Doskozil will Sportförderung neu aufstellen

Wien – Rio war, Tokio kommt. Österreichs Sommersport braucht einen neuen Plan. 2020 steigen die nächsten Olympischen Sommerspiele. Das Ziel bleibt: Medaillen. In Rio war es nur eine, immerhin um eine mehr als 2012 in London. Böse Zungen könnten behaupten, die Bronzene, die Thomas Zajac und Tanja Frank ersegelt haben, habe 20 Millionen Euro gekostet. Diese Summe hat man in den vergangenen vier Jahren für aussichtsreiche Sportler im Rahmen des "Projekts Rio 2016" investiert. Aber freilich kann man das so nicht sagen.

Peter Schröcksnadel sagt: "Ohne das Projekt hätten wir heuer ein Desaster erlebt." Der Skiverbandspräsident hat das Projekt koordiniert. Viele Leistungsträger von London seien in Rio nicht mehr dabei gewesen. Dafür zeigte der eine oder die andere Junge auf. Schröcksnadel sieht die Hauptaufgaben des Projekts als erfüllt an.

Das Ministerium sollte mit dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) zusammengeführt werden, die Gelder sollten direkt bei den Sportlern ankommen. Sportminister Hans Peter Doskozil sagt: "Ich bin überzeugt, dass das Projekt Rio der richtige Start war." Die Idee dafür war von Doskozils Vorvorgänger Nobert Darabos gekommen. Gerald Klug setzte sie um.

Schröcksnadel fordert höhere Limits

Schröcksnadel gesteht auch Fehler ein. Es seien Sportler gefördert worden, "die nicht reingehört haben". Der ÖSV-Chef, der auch ÖOC-Vizepräsident ist, nennt die Triathleten, aber auch Beate Schrott. Die Hürdensprinterin hatte in London das Finale erreicht, in Rio scheiterte sie im Vorlauf. Schröcksnadel: "Die Limits gehören höher angesetzt."

Nun ist das Projekt Rio Geschichte. Wie also weiter tun mit dem Sommersport? Doskozil hat einen Plan. "Wir werden den Spitzensport neu organisieren." Man will am Projekt Rio anknüpfen. Alle Gelder für den Spitzensport sollen in einer Institution – "möglicherweise einer GmbH" – zusammengeführt werden. In dieser sollen Sportexperten wirken.

Wo die Spitze ist, kommt das Geld hin

Auch sein Ministerium sei bereit, dafür Mittel abzustellen. Bei der Förderung will man sich auf bestimmte Sportarten konzentrieren. Schröcksnadels Sommerjob ist eigentlich erledigt. Eine Meinung hat er trotzdem. "Ich bin dagegen, Geld wohin zu geben, wo keine Leistungen erzielt werden." Es werden also hauptsächlich Sportarten gefördert, in denen es jetzt schon Topleute gibt.

Doskozil will die neue Institution Anfang 2017 einführen. Der Sommersport soll quasi aus dem Winterschlaf erweckt werden. Der Minister sagt: "Man muss Geduld haben, man muss die Rahmenbedingungen schaffen, man muss die Experten in Ruhe arbeiten lassen." Schröcksnadel sagt: "Wenn man will, dann geht das." Olympiamedaillen 2020? "Die Slowenen, die Ungarn machen auch Medaillen. Das muss möglich sein." (Birgit Riezinger, 30.8.2016)

  • Peter Schröcksnadel und Hans Peter Doskozil fieberten in Rio mit.
    foto: apa/hans klaus techt

    Peter Schröcksnadel und Hans Peter Doskozil fieberten in Rio mit.

  • Thomas Zajac und Tanja Frank sorgten in Rio für Österreichs einzige Medaille.
    foto: apa/expa/johann groder

    Thomas Zajac und Tanja Frank sorgten in Rio für Österreichs einzige Medaille.

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