Studie: Ersatz von Palmöl kann Umweltprobleme verschärfen

30. August 2016, 09:59
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Kokos, Soja und Raps brauchen größere Anbauflächen – WWF empfiehlt Konsumenten Verhaltensänderung

Berlin – Der weltweit steigende Verbrauch von Palmöl belastet die Umwelt, ein Ersatz durch andere Pflanzenöle ist aber schwierig: Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Berlin präsentierte Studie der Beratungsfirma Agripol im Auftrag des World Wide Fund For Nature (WWF).

"Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern", sagt WWF-Studienleiterin Ilka Petersen. Für Kokos-, Soja- und Rapsöl würde man noch weitaus größere Anbauflächen als für Ölpalmen benötigen, dafür müsste im tropischen Gürtel weiterer Regenwald gerodet werden. Dadurch würden wiederum große Mengen Kohlendioxid zusätzlich freigesetzt und so der Treibhauseffekt verstärkt. Die Abholzung sei schon jetzt beim Palmöl das Hauptproblem. Zudem verringern die Monokulturen die biologische Vielfalt.

Weniger Fertiggerichte essen

"Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten", sagt Petersen. Zugleich müssten die Konsumenten ihr Verhalten ändern, denn weniger Fertiggerichte, Eis, Schokolade, Süßigkeiten und Knabberzeug führen auch zu einem geringen Palmölverbrauch. Zudem dürfe Palmöl nicht mehr in Biokraftstoffen verwendet werden.

In Deutschland werden laut der WWF-Studie jährlich 1,8 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht. Davon gehen 41 Prozent in Biodiesel und 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel. 17 Prozent werden von der Industrie für Reinigungsmittel, Kosmetika und Pharmaprodukte verwendet.

Österreich: Mehr als 40.000 Tonnen Palmfett pro Jahr

Österreich importierte im Jahr 2014 rund 43.000 Tonnen Palmfett, wie eine parlamentarische Anfrage im Juni ergab. Enthalten ist es etwa in Nutella. Die großen Eishersteller Unilever (Eskimo) und Nestlé (Schöller) haben Palmfett hingegen weitestgehend durch andere Fette ersetzt, zeigte eine Rundfrage des STANDARD.

Abholzung für Palmöl-Plantagen bedroht Tierarten

Die Palmöl-Produktion wird auch Thema auf dem Weltnaturschutzkongress sein, der vom 1. bis 10. September auf Hawaii stattfindet. Zu dem Kongress der Weltnaturschutzunion werden 6.000 Teilnehmer erwartet, darunter 170 Regierungsvertreter.

Zuletzt hat die Weltnaturschutzunion den Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) als vom Aussterben bedroht eingestuft. Einer der Hauptgründe dafür: Wälder werden für Palmöl-Plantagen abgeholzt und damit der Lebensraum dieser Affen zerstört. Nach der Auswertung von Anbaulizenzen haben Wissenschafter in einer Studie vor ähnlichen Gefahren für Gorillas, Schimpansen und Bonobos in Teilen Afrikas gewarnt. Forscher aus Singapur und der Schweiz haben zudem nachgewiesen, dass durch solche Plantagen viele Vogelarten in Südostasien ausgestorben sind. (red, APA, 30.8.2016)

  • Die Abholzung ist beim Palmöl das Hauptproblem. Bei anderen Ölen wäre die Abholzung aber noch massiver, zeigt eine Studie.
    foto: reuters/samsul said

    Die Abholzung ist beim Palmöl das Hauptproblem. Bei anderen Ölen wäre die Abholzung aber noch massiver, zeigt eine Studie.

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