Iran startete "nationales Internet"

30. August 2016, 12:11
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Kritiker befürchten weitere Einschränkungen und Isolation in der Islamischen Republik

Mit einer Zeremonie wurde am Sonntag im Iran die erste Phase eines ambitionierten Projekts abgeschlossen: Mahmoud Vaezi, Minister für Kommunikation und Informationstechnologie, startete nach eigenen Angaben ein "nationales Internet".

4.000 Gigabyte pro Sekunde

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna versprach der Minister Verbindungen mit "hoher Geschwindigkeit, in hoher Qualität" und mit "geringen Kosten". Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr soll das Netz mit einer Bandbreite von 4.000 Gigabyte pro Sekunde starten (Angaben, die unabhängig nicht überprüft werden konnten). Die Idee dazu ist schon Jahre alt, erstmals tauchten derartige Vorschläge 2010 auf. Das Ziel ist laut der iranischen Regierung, ein isoliertes nationales Intranet zu schaffen, um islamische Inhalte zu verbreiten.

Laut Mehr werden in einem ersten Schritt Dienste der Regierung und iranische Webseiten angeboten. Ab Februar 2017 sollen auch iranische Videos angeboten werden. Im selben Jahr sollen auch Firmen, die im internationalen Handel tätig sind, Zugang zu Diensten im neuen Netz erhalten.

Soziale Netzwerke geblockt

Der Plan ist, damit das jetzige System – ein stark gefiltertes Internet – zu ersetzen. "Alle nationalen Aktivitäten, Dienste, Anwendungen und verschiedene Formen von Inhalten sind im 'nationalen Internet' enthalten", sagte Vaezi beim Start. Außerdem werde es durch das Projekt einfacher, Cybergefahren zu bekämpfen.

Kritiker befürchten, dass dahinter eher der Versuch steckt, die Online-Kommunikation der Iraner weiter einzuschränken. Schon bisher werden soziale Netzwerke wie Twitter, Instagram und Facebook von den Behörden geblockt – mit mäßigem Erfolg. Viele Iraner verwenden Proxy-Seiten und Virtual Private Networks (VPN), um die blockierten Inhalte abrufen zu können.

Warnung von Menschenrechtsorganisationen

"Das nationale Internetprojekt könnte den Weg für weitere Isolation, Überwachung und Informationssammlung ebnen", warnte daher die Menschenrechtsgruppe "Artikel 19" bereits Anfang des Jahres. (stb, 30.8.2016)

  • Mahmoud Vaezi, iranischer Minister für Kommunikation und Informationstechnologie. (Archivbild)
    foto: reuters/maxim zmeyev

    Mahmoud Vaezi, iranischer Minister für Kommunikation und Informationstechnologie. (Archivbild)

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