Burkini-Verbot: Solidaritätsaktion auf Wiener Badeschiff

Video30. August 2016, 00:10
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Unter dem Motto "Schwimmen, wie es uns gefällt" sprachen sich ein paar Dutzend Aktivistinnen für die freie Wahl der Badebekleidung aus

derstandard.at

In Österreich schlägt die Diskussion rund um den Burkini derzeit hohe Wellen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache spricht sich für ein Verbot aus, in einigen Schwimmbädern ist das Baden jetzt schon nur in "ortsüblicher Badebekleidung" gestattet, wie es beispielsweise in der Badeordnung des Berndl-Bads im niederösterreichischen Bisamberg heißt. Es obliegt nämlich den Bädern, Regelungen festzulegen.

Dies wurde für die 14-jährige Meriem aus Wien schon einmal zum Problem: Als sie mit ihrem Bruder schwimmen gehen wollte, kam sie in Konflikt mit dem Bademeister. "Ich finde, man sollte das anziehen können, was man möchte", sagt die Schülerin.

Schwimmen, wie es gefällt

Anahita Tasharofi nahm die Debatte rund um den Burkini zum Anlass, um gemeinsam mit Freundinnen eine Solidaritätsaktion vor und im Wiener Badeschiff zu veranstalten. Unter dem Motto "Schwimmen wie es uns gefällt" wurden Frauen und Männer am Montag Abend eingeladen, sich in beliebiger Badebekleidung für das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung stark zu machen. "Rechte Populisten versuchen auf dem Rücken von Frauen ihre Hetze zu betreiben", sagt Organisatorin Anahita, die beim Verein "Flucht nach Vorn" engagiert ist.

In Bikinis, Burkinis, aber auch ohne (Bade-)Bekleidung sowie in T-Shirt und Hose tanzten rund 40 Menschen Macarena und gönnten sich einen kurzen Abstecher in den Pool des Badeschiffs.

foto: maria von usslar/derstandard.at

Viele Besucher des Solidaritätsschwimmens sind an diesem Montag gekommen, weil ihnen das Bild einer Frau am Strand in Südfrankreich nicht aus dem Kopf ging. Rund dreißig französische Kommunen hatten zuvor das Tragen des Ganzkörperbadeanzugs an ihren Stränden verboten. Daraufhin forderten französische Polizisten diese Frau am Strand auf, sich zu entkleiden – die Amtshandlung dominierte die Diskussionen in sozialen Netzwerken.

Inzwischen hat der Staatsrat, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, das Verbot zwar gekippt, die politische Debatte kommt aber auch in Frankreich erst richtig in Fahrt: Politiker fast jeder Coleur fordern nun eine gesetzliche Grundlage für das Verbot.

"menschenfeindliches" Verbot

Für Asma Aiad wäre so ein Verbot schlicht menschenfeindlich. Die 28-jährig Masterstudentin der Gender Studies badet selbst im Burkini – und hat, im Gegensatz zu einigen ihrer Freundinnen, bisher noch keine negativen Erfahrungen gemacht. "Sicher, schiefe Blicke gibt es öfter. Aber darüber hinaus war zum Glück noch nie etwas."

Dass jetzt so viel über den Burkini oder andere Bekleidungsvorschriften diskutiert wird, sei ein Zeichen von Islamophobie und sexistischer Politik, meint Asma. Obwohl ein Burkini-Verbot oft als Maßnahme gegen die Unterdrückung von Frauen gerechtfertigt wird, glaubt die Studentin nicht, dass dies wirklich zur Emanzipation beträgt: "Es sollte letztendlich darum gehen, selbstbestimmt entscheiden zu können." (Maria von Usslar, Vanessa Gaigg, 29.8.2016)

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