Rätselhaftes Affenvirus dürfte von Nagetieren stammen

30. August 2016, 05:30
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Forscher konnten einen mutmaßlichen Zwischenwirt des Gibbonaffen-Leukämievirus identifizieren: die Grasland-Mosaikschwanzratte

Berlin –Das Gibbonaffen-Leukämievirus (Galv) ist für den Menschen unschädlich und spielt in der humanen Krebstherapie eine wichtige Rolle. Doch über seinen Ursprung ist noch wenig bekannt. Bei seinem Wirt, dem Weißhandgibbon (Hylobates lar), wirkt das Virus jedenfalls stark krankheitsauslösend. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) fand nun heraus, dass das Virus von Nagetieren stammen könnte.

Wie die Forscher im "Journal of Virology" berichten, könnten Nagetiere aus dem indonesischen Westneuguinea Galv verbreitet haben. Dabei handelt es sich um ein Retrovirus, das bei Gibbons in Gefangenschaft blutige Krebsgeschwüre verursacht. Bisher wurde die Krankheit noch nie bei frei lebenden Affen oder Menschenaffen nachgewiesen.

Das lasse vermuten, dass in Gefangenschaft lebende Gibbons von einer anderen Tierart infiziert werden, so die Forscher. Ein weiterer Hinweis darauf ist das eng mit Galv verwandte Koala-Retrovirus (Korv). Beide Viren sind auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückzuführen. Da sich die natürlichen Lebensräume von Koalas und Gibbons aber nicht überschneiden, ist eine natürliche und direkte Übertragung zwischen diesen Tieren unwahrscheinlich.

Unabhängige Ansteckung

Logischer wäre, dass andere, weiter verbreitete Tierarten diese Viren in sich tragen und Koalas und Gibbons unabhängig voneinander infizieren. Für ihre Studie untersuchten die Forscher nun mithilfe molekulargenetischer Techniken (Hochdurchsatzsequenzierung) 26 südostasiatische Nagetierarten auf Sequenzen dieser Retroviren. Und tatsächlich ließ sich eine Nagetierart als möglichen Zwischenwirt identifizieren: eine Unterart des Grasland-Melomys (Melomys burtoni) aus dem indonesischen Westneuguinea.

Diese auch als Grasland-Mosaikschwanzratten bekannten Tiere wiesen ein endogenes Retrovirus auf, das eng mit einem Stamm des Galv verwandt ist. Da jedoch auf dem Festland Südostasiens, dem Verbreitungsgebiet der Gibbons, keine Grasland-Melomys vorkommen, ist das neu entdeckte Virus wohl kein unmittelbarer Galv-Vorläufer.

Allerdings dürften die Mosaikschwanzratten einer von mehreren Zwischenwirten sein, die eine wichtige Rolle bei der Übertragung des Virus auf Koalas und Gibbons als Endwirt spielen. Die Forscher gehen davon aus, bei der Suche nach weiteren Zwischenwirten auf weitere unbekannte Retroviren zu stoßen. (red, 29. 8. 2016)

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