Basketball-EM-Quali: Schwarzmalen abgesagt

29. August 2016, 19:03
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In der Qualifikation zählt für Moritz Lanegger jeder Korb. Österreich startet am Mittwoch in den Niederlanden. Spielmacher Klepeisz fehlt

Wien – Das Wort Scheitern ist ab sofort aus dem Vokabular des österreichischen Herren-Basketballnationalteams gestrichen. Es darf nicht einmal in einem Nebensatz erwähnt werden. "Wir haben in den letzten Jahren mit starken Nationen in Europa brav mitgespielt. Jetzt wird es Zeit, sie zu schlagen", sagt Moritz Lanegger.

Der 26-jährige Steirer startet mit Österreich am Mittwoch in die Qualifikation für die Basketball-EM, die 2017 in der Türkei, Israel, Finnland und Rumänien stattfindet. In zwei Wochen stehen gleich sechs Quali-Spiele auf dem Programm, los geht es auswärts in Leiden gegen die Niederlande (Mittwoch, 20 Uhr, live auf Laola1.tv). Weitere Gruppengegner sind Deutschland und Dänemark. Platz eins könnte und sollte für Deutschland reserviert sein. Weil aber auch die vier besten Gruppenzweiten zur EM fahren, "müssen wir jede Partie so hoch gewinnen, wie es geht. Jeder Korb zählt", sagt Lanegger. 27 Teams sind in sechs Vierergruppen und einer Dreiergruppe am Start.

Kestutis Kemzura, Österreichs neuer Teamchef, hielt bei einer Pressekonferenz eine Brandrede gegen die mediale Berichterstattung, sofern es überhaupt eine gibt. Der Litauer fordert mehr Respekt für seine Spieler, "sonst bleibt der österreichische Basketball in der Vergangenheit stecken. Wenn wir nicht alles geben, können Sie uns immer noch in den Allerwertesten treten." Österreich sei nicht so weit weg von der Spitze, wie immer alle glauben.

In der Qualifikation muss Kemzura auf Thomas Klepeisz verzichten, der 25-jährige Guard fällt, wie am Montag bekannt wurde, wegen eines Bänderrisses im rechten Knöchel aus. Der Ausfall des Spielmachers sei ein "Verlust, den wir freilich akzeptieren müssen", reagierte der Coach. "Wir müssen jetzt noch mehr zusammenrücken."

Ausstrahlung

Lanegger sieht in Kemzura einen Top-Trainer. "Er hat Ausstrahlung, schreit nicht herum. Es herrscht Respekt, seine Trainings sind sehr fordernd." Als Spielmacher ist Lanegger seit sechs Jahren fester Bestandteil des Nationalteams. Der Verband (ÖBV) bemüht sich stetig um mehr Professionalität. "Das fängt bei kleinen Dingen an. Die Wäsche wird für uns gewaschen, Essen gemeinsam organisiert, bei jedem Training sind zwei Physiotherapeuten anwesend." Es soll Zeiten gegeben haben, da war bei Auswärtspartien nicht einmal ein Teamarzt mit.

Eine optimale Vorbereitung auf das Nationalteam hatte Lanegger im Frühjahr nicht, sein Arbeitgeber, der zweifache Meister Güssing Knights, ging Anfang April in Konkurs. Kurz vor Playoff-Beginn. Die Erfahrung mit insgesamt zwölf Europacup-Begegnungen mit den Knights will er aber nicht missen. "Wir haben auch in den letzten elf Bundesligaspielen bewiesen, dass wir ein Meisterkandidat sind." Güssing spielte da aufgrund massiver finanzieller Probleme nur mehr mit zwei statt wie zuvor mit fünf US-Legionären und daher auch mit neuer Rollenverteilung. Dennoch ging nur eine einzige Partie verloren.

Der 1,90 Meter große Lanegger kommt aus einer Basketball-Großfamilie. Mutter Maria war einst beim GAK aktiv, die drei älteren Geschwister (Reinhard, Alexander, Bettina) waren allesamt Bundesligaspieler. Seine zehnte Profisaison will er mit einer erfolgreichen EM-Quali krönen. Ein Haus wird sich Lanegger, im Gegensatz zu vielen Kickern, nach seiner Karriere nicht leisten können. "Aber ich konnte bisher ganz gut leben vom Sport." Einen neuen Verein hat er noch nicht gefunden. Abwarten. Nach der Qualifikation sollten sich einige Türen öffnen. Vielleicht auch ins Ausland? "Es gab immer mal wieder Interesse, aber es war nie richtig konkret. Zuletzt war es kein Thema, weil ich nicht einmal einen Agenten hatte." (Florian Vetter, 29.8.2016)

  • Moritz Lanegger (rechts) will sich durch gute Leistungen aufdrängen.
    foto: apa/fohringer

    Moritz Lanegger (rechts) will sich durch gute Leistungen aufdrängen.

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