Machtgerangel in Oberösterreichs Landesregierung

29. August 2016, 18:03
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Wirtschaftsbündler Strugl will Finanzagenden, sonst wechselt er in Topjob in der Energiewirtschaft

Linz – Offiziell haben sich die beiden oberösterreichischen ÖVP-Politiker Michael Strugl (53) und Thomas Stelzer (49) in den vergangenen Tagen mit der "Zukunftstechnologie Leichtbau" befasst. Das war das Thema, mit dem sich das Land Oberösterreich beim Europäischen Forum Alpbach präsentiert hat – "Die Optimierungspotenziale beim Leichtbau sind noch lange nicht ausgeschöpft. Hier ergeben sich Chancen insbesondere für Oberösterreichs Unternehmen", hieß es in einer gemeinsamen Presseaussendung am Montag.

Mit der Leichtbautechnologie innerhalb der Landesregierung dürfte es allerdings weniger weit her sein. Da wird nämlich kolportiert, dass beim absehbaren Wechsel an der Landesspitze – Landeshauptmann Josef Pühringer (66) wird irgendwann in den nächsten Monaten seinen Sessel räumen – auch die Ressortverteilung auf der schwarzen Seite des Regierungsteams neu geordnet wird.

Und das würde zulasten von Wirtschaftslandesrat Strugl, einem Vertreter des Wirtschaftsbunds, gehen. Denn wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" vermelden, will der designierte Pühringer-Nachfolger Stelzer, er gehört in der ÖVP zum Arbeitnehmerflügel ÖAAB, ebenso wie der jetzt amtierende Landeshauptmann die Landesfinanzen in den Händen des Landeschefs halten.

Anderer Deal gewünscht

Strugl wünscht sich dagegen einen anderen Deal: Wenn sein langjähriger Weggefährte und derzeitige Landeshauptmannstellvertreter Stelzer einen Karrieresprung macht, dann würde Strugl sein Wirtschaftsressort gerne um die Finanzagenden zu einem "Zukunfts- und Standortressort" aufgewertet sehen.

Weil ihm aber Stelzer diese Machtfülle nicht einräumen will (über die Ressortzuständigkeiten befindet der "jeweilige Landeshauptmann", sagt Pühringer), sucht Strugl überhaupt den Absprung aus der Regierung. Im kommenden Jahr ist nämlich die Spitze des Landesversorgers Energie-AG neu zu besetzen.

Entscheidung zwischen Politik und Wirtschaft

Für diesen gutdotierten Job wäre Strugl zweifellos hochqualifiziert – wenn er ihn aber haben will, müsste er sich bald zwischen Politik und Energiewirtschaft entscheiden. Wobei Noch-Landeschef Pühringer – der seinerzeit sowohl die Karriere von Strugl als auch die von Stelzer gefördert hat – als Vertreter des Mehrheitseigentümers der Energie AG ein wichtiges Wort bei der Besetzung zu sprechen hat.

Der Wirtschaftsbund würde Strugl gerne in der Regierung halten – sollte er aber abgehen, steht eine Nachfolgerin schon bereit: Angelika Sery-Froschauer aus der Wirtschaftskammer. (cs, 29.8.2016)

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