Garantiezins dürfte von 1,0 auf 0,5 Prozent sinken

29. August 2016, 16:01
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Das niedrige Zinsniveau wirkt sich auf die klassische Lebensversicherung aus

Wien – Aus der für die Festsetzung dieses Zinssatzes zuständigen Finanzmarktaufsicht (FMA) hieß es, dass eine Novelle zur Höchstzinssatzverordnung derzeit in Begutachtung sei.

Wie es in einem Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten heißt, sollte laut dem Verordnungsentwurf die Halbierung auf 0,5 Prozent ab dem 1. Jänner 2017 gelten. Die FMA bestätige nur den Entwurf, nicht aber dessen Inhalt. Manche Versicherungen wollten dem Vernehmen nach erreichen, dass der niedrigere Garantiezins erst im Laufe des Jahres 2017 in Kraft trete, weil sie ihre Produkte darauf abstimmen müssten. Aufsicht und Branchenvertreter verhandelten darüber noch. Der Garantiezins wird nach einer Formel berechnet, die sich an der zuletzt stark gesunkenen Rendite für Staatsanleihen orientiert. Die FMA hat den Garantiezins in der Lebensversicherung zuletzt per Jahresbeginn 2016 von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt.

Die Gesamtverzinsung in der Lebensversicherung liegt höher als der Garantiezinssatz, weil noch eine Gewinnbeteiligung dazukommt. Die Uniqa bietet die klassische Lebensversicherung seit dem Vorjahr ausschließlich ohne Garantiezinssatz an. Manche Versicherungsunternehmen überlegen Ähnliches oder haben auch Varianten mit null Prozent Garantiezins. Die Gesamtverzinsung bei den österreichischen Lebensversicherern beträgt derzeit 2,5 bis 3,5 Prozent.

Die geplante Reduktion des Garantiezinses sei eine logische Konsequenz der Zinspolitik in Europa, so Manfred Rapf, Vorstand der S-Versicherung: "Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen bei null oder sogar darunter hält, kann man als Anbieter von Garantieprodukten nicht durchgehend darüber anbieten." Es sei aber immer noch besser, "eine Garantie und damit Sicherheit auf niedrigem Niveau zu haben als keine Sicherheit".

Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny sagte jüngst, "die Niedrigzinsphase ist eine Anomalie – bis jetzt". "Ob sie eine Anomalie bleibt, wissen wir nicht, weil sie abhängen wird von der langfristigen Entwicklung der Weltwirtschaft insgesamt", so Nowotny weiter. Die derzeitige Niedrigzinsphase sei kein EZB- oder Europhänomen und auch kein rein monetäres Phänomen, sondern spiegle die Situation eines langfristigen niedrigen Zinswachstums und einer niedrigen Inflation wider. (APA; cr, 30.8.2016)

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