Lasst uns verschwinden: "Die Zukunft des Dorfes" auf Ö1

1. September 2016, 16:30
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Wer hätte gedacht, dass aus Kärnten die meisten jungen Leute abwandern? Eigentlich jeder. Das "Radiokolleg" berichtet diese Woche um 9 Uhr von der Landflucht

Wenn junge Menschen von zu Hause wegwollen, kann das viele Gründe haben. Zum Beispiel, weil der Blick auf die Zukunft von woanders aus betrachtet fröhlicher stimmt. Oder weil man woanders mehr Geld verdient. Oder aber, weil man "von der Herkunftsfamilie wegwill". Oder muss. In Österreich aber meistens deshalb, weil man irgendwo auf dem Land lebt.

In der dieswöchigen Reihe Die Zukunft des Dorfes im Ö1-Radiokolleg erklärt es der Vorarlberger Holstuonarmusigbigbandclub zunächst musikalisch: Vo Mello bis ge Schoppornou sind es, so erfährt man, lange 12,4 Kilometer, die nach einer durchzechten Nacht unfallfrei zurückgelegt werden müssen. Doch selbstverständlich hat die Jugend auch hehre Motive, die Stadtluft schnuppern zu wollen, die schon seit dem Mittelalter frei macht.

Warum die Adoleszenz und das Landleben schwer kompatibel sind, dieser Frage widmet sich die Reihe eindrucksvoll mit Statistik und Feldforschung. Besonders auffällig, und hier wird man im wahrsten Sinne hellhörig – Kärnten. Wer hätte gedacht, dass aus dem südlichsten Bundesland die meisten Leute zu verschwinden trachten? Eigentlich jeder.

Warum dem so sei, weiß die Wissenschaft genau, denn "eine sehr geringe Fertilität" habe man in Kärnten, und außerdem sorgten "fehlende regulierende Kompensationsmaßnahmen" dafür, dass sich der Altersdurchschnitt bald in einer Höhe Richtung Karawanken bewegt.

Vielleicht liegt die Zukunft des Dorfes also doch wieder – aber eben nicht ausschließlich – in den Händen der Jugend, die nächtens am Heimweg nicht nur mit Abwanderungsgelüsten kämpft. (Michael Pekler, 29.8.2016)

Info:
Das Radiokolleg zum Nachhören auf oe1.orf.at.

  • In großer Zahl machen sich nicht nur die Kühe auf den Weg. Junge Leute am Land legen oft große Strecken zurück, um Stadtluft zu schnuppern.
    foto: apa/keystone/arno balzarini

    In großer Zahl machen sich nicht nur die Kühe auf den Weg. Junge Leute am Land legen oft große Strecken zurück, um Stadtluft zu schnuppern.

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