Drogenkrieg in Acapulco vertreibt die Touristen

30. August 2016, 07:00
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Die Behörden kämpfen um die Reisenden, doch die Politiker sind an der Situation nicht unschuldig

"Drei gefolterte Leichen in einem abgestellten Auto entdeckt", "Bewaffneter eröffnet Feuer in einer Bar, tötet einen Kellner und zwei Gäste", "Junger Mann nach Verfolgungsjagd mit mehreren Schüssen hingerichtet": Schlagzeilen aus Acapulco, an einem normalen Ferienwochenende im Sommer. Wo sich früher Hollywoodstars ein Stelldichein gaben, treiben heute verstümmelte Leichen an den Strand. 903 Morde gab es im Vorjahr. Das brachte Acapulco auf Platz vier im Ranking der gefährlichsten Städte weltweit. Der Staat scheint machtlos, die Touristen bleiben fern, und im Umland bewaffnen sich die Bürger, um selbst ihre Verteidigung gegen die Mafia in die Hand zu nehmen.

Acapulco liegt im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero, in dem vor knapp drei Jahren 43 Lehramtsstudenten verschleppt und vermutlich ermordet wurden. Im Hinterland wird Opium angebaut. "Das ist die neue Modedroge in den USA", sagt Sicherheitsexperte Raúl Benítez Manaut. Die Touristenstadt an der Pazifikküste ist diesbezüglich ein wichtiger Umschlagplatz. Um das Geschäft streiten sich mehrere Kartelle, die Eskalation ist Fachleuten zufolge auf einen Krieg zwischen Überresten des Beltran-Leyva-Kartells und des unabhängigen Acapulco-Kartells zurückzuführen.

Seltene Besucher

Die Politiker sind empört und geben der Presse die Schuld: "Bitte redet nicht schlecht von Acapulco, sonst kommen gar keine Touristen mehr", flehte Gouverneur Hector Astudillo. Die Negativschlagzeilen lassen den Tourismus einbrechen; diesen Sommer ging die Belegungsrate auf 60 Prozent zurück. Da half es auch nicht, dass Präsident Enrique Peña Nieto einige Tage seines Sommerurlaubs in Acapulco verbrachte – schwer bewacht vom Militär.

Ausländische Besucher verirren sich nur noch selten hierher. Die US-Botschaft und viele europäische Vertretungen haben für Guerrero eine Reisewarnung herausgegeben. Sechs Spanierinnen, die die Auflage missachteten, wurden vor drei Jahren in ihrem Feriendomizil überfallen und vergewaltigt. Mexikanische Touristen kommen zwar noch, aber deutlich weniger als früher, und die meisten verzichten auf das Nachtleben oder bleiben hinter den Mauern ihrer All-inclusive-Hotels. Nicht nur die sinkenden Besucherzahlen, auch die Schutzgelderpressungen machen den örtlichen Unternehmern zu schaffen. Rund 1600 Geschäfte hätten geschlossen, so der Chef der Handelskammer, Alejandro Martinez.

Keine Feste mehr

Am Strand von Pie de la Cuesta, wo früher Johnny Weissmüller alias Tarzan rauschende Feste feierte und Elizabeth Taylor und Elvis Presley Margaritas schlürften, haben gut ein halbes Dutzend Restaurants dichtgemacht. In den übrigen sind die Tische besetzt. "Wir stecken in einer schweren Krise", klagt der Direktor des Hotels Playa Suites, Sergio Salmerón. 60 Prozent der Angestellten im Tourismus seien entlassen worden, 15.000 Arbeitsplätze seien bedroht. Die Geschäftsleute verlangten einen Steuernachlass, weil sie sonst die Schutzgelder an die Mafia nicht zahlen können.

Doch dass der Staat nicht Herr der Lage wird, liegt auch an den Politikern, wie der Soziologe Carlos Flores vom Zentrum für Sozialanthropologische Studien anmerkt: "Die großen Kartelle kontrollieren den Drogenhandel, die Kleinkriminellen widmen sich der Entführung und Schutzgelderpressung, und Polizei und Politiker werden von beiden finanziert und halten ihre schützende Hand über die Kriminellen." (Sandra Weiss aus Puebla, 30.8.2016)

  • Soldaten gehören zum alltäglichen Bild an den Stränden Acapulcos, die als viertgefährlichste Stadt weltweit gilt.
    foto: afp photo / pedro pardo

    Soldaten gehören zum alltäglichen Bild an den Stränden Acapulcos, die als viertgefährlichste Stadt weltweit gilt.

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