Von Microsoft abgelehnter Entwickler bringt "Pokémon Go" auf Windows

29. August 2016, 12:47
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Bewerbung wegen "mangelnder Leidenschaft" abgewiesen, das Projekt soll nun als Gegenbeweis dienen

Als der Entwickler Stefano Tenuto über eine Petition für eine Windows Mobile-Version von "Pokémon Go" stolperte, hatte er gerade erst eine erfolglose Bewerbung bei Microsoft hinter sich. Der US-Konzern hatte sein Stellengesuch abgelehnt und ihm einen Mangel an Leidenschaft attestiert, wie er schreibt.

Seit einigen Wochen tritt er den Gegenbeweis an. Er leitet das Projekt zur Umsetzung des Smartphone-Spielehits "Pokémon Go" für Windows 10 und Windows 10 Mobile.

Inoffizielles Projekt

Es handelt sich freilich nicht um eine offizielle Portierung. Mit einer solchen ist nach aktuellem Stand auch nicht zu rechnen. Von Niantic gibt es keinerlei bekannte Pläne, der Anreiz, eine mobile Plattform mit weniger als einem Prozent Marktanteil zu bedienen, ist auch gering. Auch von "Ingress", dem ersten Game des Studios, gibt es nur Versionen für Android und iOS.

50.000 Nutzer

Tenuto stolperte kurz nach seiner Bewerbung über eine Petition von Spielern, die sich "Pokémon Go" für ihre Windows-Handys wünschten. Diese stand damals bei rund 80.000 Unterschriften, erinnert er sich, was ihm schließlich den Ansporn gab, das Projekt zu starten.

Mittlerweile gibt es fast 115.000 digitale Unterschriften und seine App erfreut sich trotz rudimentären Funktionsumfangs steigender Beliebtheit. 50.000 Nutzer haben sie etwa 1,5 Millionen Mal aufgerufen, seit er sie vor rund einem Monat veröffentlicht hat, berichtet Business Insider. Wenig im Vergleich zu den Zahlen auf iPhones und Android-Smartphones, aber mehr als beachtlich für ein Hobbyprojekt.

Kleine Schritte

"PoGo-UWP", so der Name seiner Umsetzung, ist eine "Universal Windows Platform"-App, die neben Smartphones auch auf einem "normalen" Windows 10-System auf Desktoprechnern, Notebooks oder Tablets laufen kann. Entwickelt wurde sie von Grund auf neu, da Tenuto keinerlei Zugriff auf den Quellcode des Originals hat. Stattdessen muss er mit den Kommandos und Informationen arbeiten, die die "Pokémon Go"-Server empfangen.

So entsteht in kleinen Schritten Feature um Feature. Konnte man zu Beginn lediglich über die Karte laufen, Gegenstände sammeln und Monster fangen, funktionieren mittlerweile auch der Einblick ins Inventar und das Monster-Verzeichnis Pokédex. Dazu wird man nun auch benachrichtigt, wenn ein neues Tier aus einem Ei schlüpft.

pogo unofficial pokemon go for windows

Mittlerweile helfen ihm mehrere Leute bei der Implementation. Ob es das technisch vermutlich aufwändigste Feature – der Augmented-Reality-Fangmodus, in dem eine animierte 3D-Version des jeweiligen Pokémon über das Kamerabild gelegt wird – jemals für den Windows-Port geben wird, weiß Tenuto selber nicht.

Riskante Nutzung

Die Installation von PoGo-UWP erfordert nach wie vor einen Umweg um den Windows Store. Und vor der Inbetriebnahme, muss das Spiel immer noch einmal auf einem Android-Gerät (oder per Emulator) oder einem iPhone gestartet werden, um ein Start-Pokémon zu erhalten und loslegen zu können.

Spieler, die auf den alternativen Client setzen, bringen potenziell auch ihren Account in Gefahr. Denn Niantic sieht die Verwendung von Drittsoftware mit seinen Spielen nicht gerne. Zuletzt informierte man Spieler, die einen Kartendienst zur Anzeige der genauen Position der Pokémon verwendet hatten, über die permanente Sperre ihrer Trainerkonten. (gpi, 29.08.2016)

  • Das Augmented-Reality-Feature gibt es derzeit nicht für den Windows-Port.
    foto: pokemon go

    Das Augmented-Reality-Feature gibt es derzeit nicht für den Windows-Port.

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