Forscher warnen vor Heuschnupfenwelle durch Klimawandel in Europa

30. August 2016, 08:00
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Laut einer Studie könnte sich die Anzahl der Menschen, die an Heuschnupfen leiden, in den nächsten 35 Jahren verdoppeln

Wien – Rund 40 Prozent aller Europäer haben Forschern der Med-Uni Wien zufolge zumindest einmal im Leben mit Heuschnupfen zu kämpfen. Die allergische Reaktion wird durch Pollen ausgelöst, etwa von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Ein zunehmendes Problem stellt dabei die verstärkte Ausbreitung von Ragweed dar, auch Ambrosia oder Traubenkraut genannt. Das Wiener Forscherteam untersuchte nun die Pollenproduktion und -ausbreitung dieser Pflanze sowie die möglichen Auswirkungen auf Allergien in Europa.

Ragweed ist eine Pflanze, die sich besonders rasch ausbreitet, ihre Pollen sind ein weitverbreitetes Allergen. Bereits eine einzige Pflanze kann etwa eine Milliarde Pollenkörner pro Saison produzieren. "Das ist die erste Studie, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Pollenallergie haben könnte", so die Wissenschafter.

Die Forscher erstellten in ihrer Untersuchung Karten mit den geschätzten Ragweed-Pollenzählungen während der Pollensaison. Diese wurden mit Daten wie Bevölkerungsdichte in den betroffenen Gebieten und Allergiebelastung in der Bevölkerung kombiniert. Die Anzahl der Menschen, die von Ragweed-Pollen betroffen sind, wird sich in Europa bis ins Jahr 2050 demnach höchstwahrscheinlich von 33 auf 77 Millionen mehr als verdoppeln.

Pollenbelastung quer durch Europa

"Die Ragweed-Pollenallergie wird zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit quer durch ganz Europa und breitet sich auch in Gegenden aus, wo dies derzeit noch selten der Fall ist", sagt die Dermatologin Michelle Epstein. "Das Problem wird sich in Ländern mit einem bereits existierenden Ragweed-Problem wie Ungarn und Kroatien möglicherweise noch verstärken, aber auch in Deutschland, Polen und Frankreich."

Ein weiteres Problem: Eine höhere Pollen-Konzentration und eine längere Ragweed-Pollensaison können auch den Schweregrad der Symptome verstärken. Die aktuellen Prognosen weisen darauf hin, dass die Ragweed-Saison in den meisten Teilen Europas von Mitte September bis Mitte Oktober dauern wird.

Worst-Case-Szenario

"Die jährliche wirtschaftliche Belastung durch Allergieerkrankungen in der EU wird derzeit bereits auf 55 bis 151 Milliarden Euro geschätzt, eine immer höhere Pollenbelastung wird noch höhere Kosten verursachen", warnt Epstein.

Die Lösung: Das richtige "Management" dieser invasiven Pflanze könnte die Anzahl der Menschen, die davon betroffen sind, auf etwa 52 Millionen senken. Im Gegensatz dazu lässt ein Worst-Case-Szenario mit einer sehr schnellen Pflanzeninvasion die Anzahl der Betroffenen auf ungefähr 107 Millionen ansteigen, heißt es in der Studie.

"Man muss aber auch betonen, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels nicht auf Ragweed beschränken und dass eine ganze Reihe von anderen pollenproduzierenden Pflanzenarten möglicherweise auch davon betroffen ist", resümiert Epstein. (red, 30.8.2016)

  • Die wenig erfreuliche Prognose der Med-Uni Wien: Wer empfindlich auf die Pollen von Ragweed reagiert, wird zukünftig noch mehr leiden.
    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Die wenig erfreuliche Prognose der Med-Uni Wien: Wer empfindlich auf die Pollen von Ragweed reagiert, wird zukünftig noch mehr leiden.

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