Russland soll schwedische Politik mit Gerüchten im Netz manipulieren

29. August 2016, 11:09
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Landesweite Debatte über engere Partnerschaft mit Nato sorgt für Auftauchen zahlreicher Falschmeldungen

Soll Schweden enger mit der Nato kooperieren, um damit auch Abschreckung gegenüber Russland zu betreiben? Über diese Frage wird im nördlichen EU-Mitgliedsland momentan heftig debattiert. Doch seit sich die Diskussion intensiviert hat, tauchen plötzlich zahlreiche Falschmeldungen im Netz auf. Diese werden teils über soziale Netzwerke weiterverbreitet, teilweise greifen sogar traditionelle Medien die Gerüchte auf. Als er durch das Land tourte, um an Diskussionsforen teilzunehmen, sah sich der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist laut New York Times mit vielen Fragen konfrontiert, die auf Gerüchte im Netz zurückgingen und jedweder faktischen Basis entbehren.

Nato-Soldaten dürfen vergewaltigen

Dazu gehören etwa die folgenden drei Meldungen, die heftig zirkulieren: In Schweden stationierte Nato-Soldaten sollen schwedische Frauen vergewaltigen dürfen, ohne von der schwedischen Polizei verfolgt zu werden; die USA planten angeblich, Russland von Schweden aus anzugreifen – und außerdem wolle die Nato bei einer engeren Kooperation heimlich ihr Nukleararsenal in Schweden zu stationieren. Alle drei Gerüchte sind falsch. Durch die "Desinformationskampagne", die laut westlichen Geheimdiensten eindeutig russischen Akteuren zugeordnet werden können, soll die schwedische Bevölkerung allerdings verunsichert und verwirrt werden.

Gleiche Muster

Die Falschmeldungen tauchen meist auf sehr nationalistischen oder russlandfreundlichen linken Webseiten auf, von wo aus sie ihren Weg in den Mainstream finden. Das ist ein Muster, das bereits in zahlreichen anderen Ländern angewandt wurde. Regierungsnahe Akteure in Russland begannen seit der Invasion auf der Krim, Desinformationskampagnen zu forcieren. Mit den Medienportalen Sputnik und RT passiert das offiziell, dazu kommen "Kampfposter" und verdeckte Kanäle, mit denen etwa gefälschte, aber auch authentische interne Dokumente an Blogs geschickt werden. Zuletzt gelangte die "hybride Kriegsführung" Russland ins Zentrum der US-Politik, als Wikileaks angeblich aus russischer Quelle E-Mails der US-Demokraten erhielt. (fsc, 29.8.2016)

  • An zahlreichen Nato-Militärübungen, etwa hier in Polen, nehmen auch Nicht-Mitglieder teil – auch Österreich ist Partner
    foto: reuters

    An zahlreichen Nato-Militärübungen, etwa hier in Polen, nehmen auch Nicht-Mitglieder teil – auch Österreich ist Partner

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