Notenbanken: Trend zu härteren Drogen

Kommentar28. August 2016, 17:27
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Ein Blick auf die Wirtschaftsdaten zeigt, wie kläglich die Geldpolitik versagt hat

Jackson Hole gilt als Gradmesser der Geldpolitik. Wenn sich führende Notenbanker und Ökonomen alljährlich in den Bergen von Wyoming treffen, verschwinden die Grenzen zwischen akademischem Esprit und Höhenkoller. Acht Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und einer seither währenden Orgie an Geldspritzen für Banken und Staaten in Form von Nullzins und Wertpapierkäufen wird nicht etwa diskutiert, warum das Billionenengagement wenig bis nichts gebracht hat, sondern eine Ausweitung des Aktionismus thematisiert.

Den Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ein noch tieferes Abgleiten in den Negativzinsbereich etwa könnte die Kreditvergabe endlich ankurbeln, meinen die einen. Und sprechen gleich offen aus, dass man dann gleich auch das Bargeld abschaffen sollte, weil dieses sonst gehortet würde, wodurch die Notenbankmaßnahme ins Leere ginge. Dauerhafte Asset-Käufe wurden ebenso besprochen wie eine Anhebung des Inflationsziels.

In ihrem Elfenbeinturm glaubt die geldpolitische Kaste immer noch, sie könne Wirtschaft nach Belieben formen. Dabei offenbarte ein Blick auf die Wirtschaftsdaten, wie kläglich die Geldpolitik – abgesehen von der Vermeidung von Schocks an den Finanzmärkten – versagt hat. Reichen die gesetzten Anreize nicht, müssen neue Stimuli her. Anstatt die Akteure auf Entzug zu setzen, werden schon einmal härtere Drogen gemischt. (Andreas Schnauder, 28.8.2016)

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