Iranische Justiz: Hinrichtungen schrecken Drogenschmuggler nicht ab

27. August 2016, 16:32
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Untersuchungsbericht der iranischen Justiz – Die schärfsten Strafen treffen nicht die Bosse

Teheran – Hinrichtungen schrecken Drogenschmuggler im Iran nicht ab. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss der iranischen Justiz. "Die erwarteten Ergebnisse wurden nicht erzielt, und die Menge und Vielfalt der in den Iran geschmuggelten Drogen sind eher mehr als weniger geworden", sagte der Leiter des Ausschusses, Mohammed Bagger Olfat, am Samstag.

Die Ergebnisse der Untersuchungen seien daher ernüchternd, sagte Olfat der Nachrichtenagentur Tasnim. Ein wichtiger Grund sei, dass es sich bei den im Iran hingerichteten Personen nicht um Drogenbosse, sondern nur um einfache Schmuggler gehandelt habe. Um diese abzuschrecken wären seiner Meinung nach lange Haftstrafen zusammen mit Zwangsarbeit effektiver. Die Untersuchung bestätigt die Beobachtungen in vielen Ländern, dass auch härteste Strafen die Drogenproblematik nicht beseitigen können.

Fast tausend Hinrichtungen im Vorjahr

Der Iran hat weltweit eine der höchsten Hinrichtungsraten. Nach Angaben von Amnesty International wurden 2015 dort 977 Todesurteile vollstreckt. Seit Jahresbeginn sollen bereits mehr als 700 Menschen hingerichtet worden sein. Meist ging es um Drogenkriminalität sowie sexuellen Missbrauch von Kindern. Schon seit Monaten wachsen die Zweifel am Nutzen der Todesstrafe im Kampf gegen Drogenkriminalität. Die iranische Justiz glaubt aber, dass Dealer, die Tausende Jugendliche in den Tod treiben würden, entsprechend bestraft werden müssten.

Internationale Experten sind längst anderer Meinung. Der in vielen Staaten der Welt geführte "Krieg gegen die Drogen" nützt nichts, er schadet der Welt und bringt statt weniger sogar mehr Kriminalität und Leid. Das war erst in diesem Frühjahr das Ergebnis einer Studie, welche ein internationales Expertenteam (Johns Hopkins-Lancet-Kommission) veröffentlicht hat. Gefordert wurde von den internationalen Experten eine ausbalancierte Drogenpolitik, die Gefahren und die Kriminalisierung von Menschen reduziert. (APA, 27.8.2016)

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