Bremse bei Arbeitskosten im Zentrum der Herbstlohnrunde

28. August 2016, 13:15
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In der Metallindustrie beginnt am 26. September das Feilschen um eine Anpassung der Löhne und Gehälter

Wien – Die Herbstlohnrunde der Metaller wird heuer am 26. September eröffnet. Da findet in der Wirtschaftskammer die Forderungsübergabe statt. Das anschließende Wirtschaftsgespräch über den Zustand der aus sechs Fachverbänden mit hunderten Betrieben und rund 172.000 Metallarbeitern und Industrieangestellten bestehenden Tarifgemeinschaft garantiert Zwist. Denn die Arbeitgeber beklagen eine Umsatzstagnation das fünfte Jahr in Folge, wie der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Kammer, Andreas Mörk, auf Anfrage des STANDARD betont.

Der mit 120.000 Beschäftigten und rund 35 Milliarden Euro Umsatz größte Teilbereich, die Maschinen-/Metallwarenindustrie, trommelt bereits seit dem Frühjahr, dass noch immer kein Aufschwung in Sicht sei, die Auftragseingänge stagnierten und nur die Exporte – fast 78 Prozent der heimischen Produktion gehen ins Ausland – einen Abschwung verhinderten. Das liegt auch an den Russland-Sanktionen.

Schwankende, aber vergleichsweise niedrige Energie- und Materialpreise vermögen steigende Arbeitskosten zumindest bei den Metallverarbeitern nicht aufzuwiegen. Erzeuger wie die Voestalpine leiden hingegen unter dem dramatischen Preisverfall, der durch Dumpingpreise chinesischer und russischer Stahlkocher angeheizt wird. Vor diesem Hintergrund scheint es logisch, dass die Arbeitskosten erklärter Hauptfeind der Arbeitgeber sind. Beim größten Kostenbrocken sei "eine behutsame Entwicklung" besonders wichtig, erklärt Mörk.

Automatisierung schreitet voran

Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer sieht die Situation naturgemäß weniger dramatisch: "Es gibt durch die Bank gute Ergebnisse, und die wirtschaftliche Situation deutet auch nicht dramatisch nach unten." Zu schaffen macht den Gewerkschaftern – Koverhandler von der Privatangestelltengewerkschaft GPA ist wieder Rudolf Wagner – die langsam, aber sicher fortschreitende Automatisierung. Sie kostet klassische Arbeiterjobs, also Arbeitsplätze in der Produktion, immerhin rund 50 Prozent der Beschäftigten in der Metallbranche, die ihrerseits mehr als 45 Prozent des Produktionswerts der österreichischen Industrie insgesamt stellt.

Vom Tisch ist bei den Metallern vorerst das Reizwort Zwölf-Stunden-Tag. Der ewige Zankapfel Arbeitszeitflexibilisierung ist der Branche abhandengekommen. Seit 1. Juli geht es um die Umsetzung des Arbeitszeitkonto-Modells, das auf Sachgüter produzierende Betriebe zugeschnitten ist. Dort liege die Schnittmenge zwischen Qualität und Produktivität zwischen acht und zehn Stunden, daher sei der Bedarf nach zwölf Stunden täglicher Normalarbeitszeit nicht prioritär, sagt Mörk. Worüber die Kollektivvertragsverhandler sonst noch streiten könnten? "Wir suchen die Baustellen im KV bis 26. September", heißt es in der Kammer. (ung, 28.8.2016)

  • Die Lohnrunde der Metaller betrifft rund 172.000 Arbeitnehmer.
    foto: : martin meissner

    Die Lohnrunde der Metaller betrifft rund 172.000 Arbeitnehmer.

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