Das Duell um den Thron

26. August 2016, 17:11
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Angelique Kerber könnte Serena Williams bei den US Open von der Top-Position in der Tennisweltrangliste verdrängen. Die 28-Jährige wäre die erste deutsche Nummer eins seit Steffi Graf

New York – Eigentlich spricht alles für Angelique Kerber. Die Deutsche mit polnischen Wurzeln hätte schon am vergangenen Montag den Thron besteigen können, tat es aber nicht, weil sie im Endspiel von Cincinnati der Tschechin Karolína Plísková unterlag. Dann eben in New York. US Open.

Am Montag beginnt des vierte und letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres. Mit Kerber. Mit Serena Williams. Die US-Amerikanerin, die das Frauentennis seit Jahren dominiert, schwächelte zuletzt – spielerisch wie auch körperlich. Bei den Olympischen Spielen in Rio unterlag sie im Achtelfinale der Ukrainerin Jelina Switolina. Danach ließ sie die Pressekonferenz sausen – und das Turnier in Cincinnati. Wegen Schulterproblemen, hieß es.

Seit Graf

In New York darf Williams nicht schwächeln, will sie ihre Regentschaft als Tenniskönigin verlängern. Sie muss zumindest, wie im Vorjahr, das Halbfinale erreichen, um nicht automatisch die Top-Position zu verlieren. Seit Februar 2013 behauptet die US-Amerikanerin ohne Unterbrechung den Spitzenplatz. Den Rekord von Steffi Graf, die 186 Wochen in Folge Nummer eins war, wird sie jedenfalls mit Ende der US Open einstellen. Und dann? Könnte Kerber die erste deutsche Nummer eins bei den Frauen sein – seit Graf.

"Es war immer mein Traum, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen – das habe ich geschafft", sagt Kerber. Die Deutsche siegte heuer bei den Australian Open – mit einem Finalerfolg gegen Williams. "Ein anderer Traum ist es, die Nummer eins zu werden." Die 28-Jährige spielt 2016 ihre beste Saison, im Endspiel von Wimbledon unterlag sie Williams, im Olympia-Finale musste sie sich der Puerto Ricanerin Mónica Puig geschlagen geben.

Theoretisch

Nur 190 Punkte fehlen Kerber auf Williams. Die Deutsche hat in New York aus dem Vorjahr lediglich einen Drittrundeneinzug zu verteidigen. Gewinnt sie den Titel, ist sie jedenfalls Nummer eins. Aber auch mit einer Erstrundenniederlage könnte es sich ausgehen – wenn Williams vor dem Halbfinale ausscheidet. Erreicht Kerber das Viertelfinale, muss Williams mindestens das Endspiel erreichen. Die Karten also stehen gut für Kerber.

Theoretisch könnte nach den US Open aber auch eine andere den Tennisthron besteigen. Unter Mithilfe anderer wäre dies für die Spanierin Garbiñe Muguruza, die heuer die French Open für sich entschied, oder die Polin Agnieszka Radwanska möglich. Oder es bleibt alles beim alten. Mit dem Titel bei den US Open, es wäre ihr siebenter, bliebe Williams jedenfalls Branchenleaderin. Und nicht nur das. Mit dann 23 Erfolgen bei Grand-Slam-Turnieren würde sie Steffi Graf als diesbezügliche Rekordhalterin überflügeln.

Die Vorjahressiegerin kann ihren Titel bei den US Open übrigens nicht verteidigen. Die Italienerin Flavia Pennetta beendete Ende 2015 ihre Karriere. Zumindest Kerber hat noch ein paar Jahre vor sich. Vielleicht als Nummer eins. (rie, sid, APA, 26.8.2016)

  • Angelique Kerber (re.) könnte Serena Williams vom Thron Stoßen.
    foto: reuters

    Angelique Kerber (re.) könnte Serena Williams vom Thron Stoßen.

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