Clinton Foundation: Millionen für einen Plausch mit Hillary

28. August 2016, 10:00
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Hillary Clinton traf sich als Außenministerin mehrfach mit reichen Spendern, die Stiftung ihres Mannes half hier und da ein wenig nach. Den Verdacht der Einflussnahme weist sie trotzdem entrüstet zurück

Auf offiziellen Kanälen hatte Salman bin Hamad al-Khalifa es schon versucht. Doch die vielbeschäftigte Außenministerin Hillary Clinton schien einfach keine Zeit für ihn zu haben. Dann, im Juni 2009, erhielt ihre Assistentin eine E-Mail von der Clinton Foundation, der Stiftung Bill Clintons, des Ex-Präsidenten. Der Kronprinz sei ein "guter Freund", stand darin. Zwei Tage später folgte die Antwort aus dem Ministerium: "10 Uhr morgen für ein Meeting".

Auf einmal ließ sich im Terminkalender doch eine Lücke für den Prinzen finden. Seine Freundschaft hatte der Thronfolger von Bahrain unter Beweis gestellt, indem er der Stiftung 32 Millionen Dollar spendete, damit sie Stipendien finanzieren konnte.

Oder Joyce Aboussie, Unternehmensberaterin aus St. Louis, ebenfalls eine Gönnerin des Clinton-Hilfswerks. In dringlichem Ton bat sie das Büro der Chefdiplomatin, ein Gespräch mit Managern des Kohlekonzerns Peabody Energy zu arrangieren. "Huma, ich brauche Ihre Hilfe", schrieb Aboussie an Huma Abedin, damals wie heute rechte Hand Hillarys. "Wir brauchen dieses Treffen mit Ministerin Clinton, die ja nun schon fast sechs Monate im Amt ist." Es verstehe sich von selbst, dass sich die Peabody-Leute an sie gewandt hätten, weil man um das Kontaktnetzwerk wisse.

Es sind Beziehungsgeflechte wie diese, die derzeit durch die Veröffentlichung hunderter interner E-Mails aus Clintons Mitarbeiterstab bekannt werden. Einiges hatte die rechte Plattform Judicial Watch am Montag ins Netz gestellt, an den Tagen danach ist noch mehr publik geworden.

Eine Spende versetzt Berge

Die Korrespondenz zeigt zumindest eines: Für Privatpersonen war es offenbar leichter, einen Termin mit Clinton zu ergattern, wenn sie auf der Spenderliste der Foundation standen. Über die Hälfte der Gesprächspartner, die die Außenministerin empfing und die weder Politiker noch Diplomaten waren, hatten der Stiftung zuvor Geld aufs Konto überwiesen.

Donald Trump spricht in gewohntem Polterstil vom "korruptesten Unternehmen in der Geschichte der Politik". Was unter die Rubrik Wahlkampfschlammschlacht fällt: Bisher lässt nichts darauf schließen, dass sich die Ministerin in ihren Entscheidungen durch die Mäzene beeinflussen ließ, auch nicht im Kleinen. Da ist etwa der Fall eines – namentlich nicht genannten – Profis des englischen Fußballclubs Wolverhampton Wanderers. Er wollte zu einer Mannschaftsfeier nach Las Vegas fliegen, bekam aber wegen einer vorangegangenen Strafanzeige kein Visum. Als sich ein kalifornischer Sportvermarkter einschaltete, um das Problem aus der Welt zu schaffen, führte es – zu nichts. Die Einreise blieb ihm verwehrt.

Clinton selbst nennt andere Beispiele, um das Getöse Trumps als absurdes Theater zurückzuweisen. Drei Monate nach Amtsantritt etwa empfing sie Muhammad Yunus, den Gründer der Grameen Bank, die an arme Familien in Bangladesch Kleinstkredite vergab. Auch Yunus zählte zu den Geldgebern der Clinton-Initiative. Nur, so Hillary, hätte sie einen Mann dieses Kalibers auch ganz unabhängig davon empfangen.

Tatsächlich hat die Clinton Foundation, von Bill nach seinem Ausscheiden aus dem Oval Office gegründet, rund um den Globus viel Gutes getan. In Asien und Afrika bezahlt sie den Kauf von Medikamenten für Aids- und Malariakranke, sie hat für 46 Millionen Kinder die Bildungsmöglichkeiten verbessert und allein in Haiti fünf Millionen Bäume pflanzen lassen. Die Clinton Global Initiative, eine ihrer Sparten, versucht nach eigenem Anspruch Entscheidungsträger aus aller Welt zum Dialog zusammenzuführen.

Dennoch, für die Kandidatin Clinton wird die Stiftung zu einer Last, die ihr wie ein Mühlstein um den Hals hängt. Was, wenn sie erst im Oval Office regiert und der eine oder andere Multimillionär umso tiefer in die Spendenkasse greift? Allein in der Hoffnung auf einen Gefallen? Der Verdacht des Interessenkonflikts, sagen auch wohlwollende Kommentatoren, würde über ihrer Präsidentschaft liegen. Der einzige Ausweg liege darin, die Stiftung zu schließen. (Frank Herrmann aus Washington, 28.8.2016)

  • Nach seiner Amtszeit gründete Bill Clinton die Clinton Foundation. Für seine Frau Hillary wird sie zur Last.
    foto: ap / brennan linsley

    Nach seiner Amtszeit gründete Bill Clinton die Clinton Foundation. Für seine Frau Hillary wird sie zur Last.

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