Wahl in Gabun: Präsidialdynastie der Bongos unter Druck

27. August 2016, 08:00
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Gabun: 49 Jahre könnten genug sein

Libreville/Wien – Eine Stimme Vorsprung reicht, und eine der ältesten Regierungsdynastien der Welt ist am Ende. Seit 1967 hat die Familie Bongo Gabun im Griff: Zuerst Omar Bongo und nach dessen Tod 2009 sein Sohn Ali. Nun, 49 Jahre später, könnte Schluss mit der Herrschaft sein. Ausgerechnet ein früherer Verbündeter, Jean Ping, könnte ihr bei Wahlen am Samstag den Sieg entreißen. Eine einfache Mehrheit würde dem Ex-Chef der Afrikanischen Union für den Sieg reichen.

Die enge Wahl sorgt auch in Paris für Unruhe. Die Familie Bongo galt lange Zeit als eines der prominentesten Beispiele für die Françafrique-Politik, mit der Paris versuchte, nach der Unabhängigkeit der Ex-Kolonien Einfluss auf deren Politik und Zugriff auf deren Rohstoffe zu behalten. Im Gegenzug stützte Paris Regierende politisch und teils militärisch – und ließ eine kleine Schicht ein Stück vom Reichtum abschöpfen.

Für die Bongos hatte das spektakuläre Folgen: 39 Immobilien in Frankreich soll die Familie besitzen, in Gabun ließ sie einen 500 Millionen Euro teuren Präsidentenpalast bauen. Regierungsflugzeug ist eine Boeing 777.

Ungleiche Verteilung

Bei den rund 1,7 Millionen Bewohnern des zentralafrikanischen Küstenstaates kam weniger an. Zwar beträgt das Pro-Kopf-Einkommen jährlich 9000 Dollar – eines der höchsten Afrikas. Die Verteilung ist aber ungleich: Ein Viertel der Bevölkerung muss mit weniger als drei Dollar pro Tag auskommen. Daran haben auch Versprechen Bongos, mehr in Infrastruktur und Diversifizierung der Wirtschaft zu investieren, wenig geändert.

Ob ein Sieg Pings das ändern würde, ist fraglich: Der 74-jährige Sohn eines Chinesen und einer Gabunerin entstammt ebenfalls der Elite. Lange war er Minister unter Omar Bongo – und zeitweise mit dessen Tochter verheiratet.

2014 kam der Sinneswandel. Nun warnt er vor Diktatur, Bürgerkrieg und Wahlfälschung. Zuletzt stellte die Opposition gar die Nationalität des Präsidenten infrage: Dieser sei gar nicht einer der 52 leiblichen Nachkommen Omar Bongos, sondern aus Nigeria adoptiert worden. Weil das die Kandidatur illegal machen würde, musste das Höchstgericht entscheiden. Dessen Präsidentin, eine Stiefmutter Bongos, schmetterte den Vorwurf ab. (red, mesc, 27.8.2016)

  • Der Ex-Chef der Afrikanischen Union Jean Ping...
    foto: afp photo / samir tounsi

    Der Ex-Chef der Afrikanischen Union Jean Ping...

  • ...will Gabuns Präsident Ali Bongo ablösen.
    foto: afp/jordan

    ...will Gabuns Präsident Ali Bongo ablösen.

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