Amazon nistet sich bei den Kunden daheim ein

31. August 2016, 07:00
472 Postings

Onlinehändler hat sich physischen Knopf ausgedacht, mit dem Kunde fast ganz ohne Computer oder Smartphone einkaufen kann

Wien – Amazon knüpft die Bande zu seinen Kunden zusehends enger. Auch mit der Taktzahl der neuen Services hält der weltgrößte Onlinehändler Konkurrenz und Kunden auf Trab: Ende 2015 startete der Same-Day-Lieferdienst in Deutschland. Kunden von Amazon Prime, die vormittags bestellen, bekommen die Ware noch am Abend an die Tür geliefert, für manche Produkte gilt das auch für Österreich. Mittlerweile gibt es das Blitzservice Prime Now, das die Lieferung innerhalb einer Stunde für Kunden in Berlin ermöglicht. Ob hierzulande das Service noch heuer kommt, ist noch offen. Für jene, die das schon nutzen, stehen gut eine Million Produkte bereit: von Elektronikartikeln über Spielzeug bis zu Haushalts- und Küchengeräten. Ab einem Bestellwert von 20 Euro bezahlt der Kunde für die schnelle Zustellung nichts.

Kaufen auf Knopfdruck

Auch in Sachen Lebensmittel rüstet der Riese schon länger auf. Die Amazon-Pantry-Box gibt es seit vergangenem Herbst auch für heimische Prime-Mitglieder. Verkauft werden 500.000 haltbare Lebensmittel sowie Haushaltsartikel wie Toilettenpapier und Co. Was jetzt kommt, geht noch einen Schritt weiter. Amazon nistet sich physisch bei den Kunden ein. Mit sogenannten Dash-Buttons – einer Art physischem Einkaufsknopf, der aussieht wie eine Türglocke – können Prime-Kunden auf Knopfdruck verbrauchte Produkte nachbestellen. Jeder Knopf ist mit dem Logo einer Marke versehen, nur deren Produkte werden nachbestellt. Auf Wunsch wird daraus ein eigenständig bestellendes Gerät. Ab Anfang September gibt es das auch in Österreich.

Kein Aprilscherz

Als Amazon das Programm im April 2015 in den USA startete, glaubten einige an einen Aprilscherz. "Amazon will Dein Gehirn ausschalten", hieß es da und dort. Amir Pelleg sieht das gelassen. Der Produktmanager, der in Seattle sitzt, sagte dem STANDARD, was Amazonen bei solchen Gelegenheiten immer sagen: "Es geht darum, den Einkauf zu erleichtern." Denn, und jetzt spricht er vermutlich seinen Kunden aus der Seele: "Kleider einkaufen macht Spaß, Waschpulver kaufen nicht." Da habe man sich eben überlegt, wie man Konsumenten dabei unterstützen könnte, dass sie erkennen, wenn Dinge ausgehen.

"Auf der Website gibt es den Buybutton. In der Folge haben wir einen physischen Buybutton erfunden." Wunderbar, schwärmt Pelleg: "Man heftet das auf die Waschmaschine. Du klickst den Button, und zwei Tage später hast Du das Waschmittel." Der technische Hintergrund: Die Knöpfe verbinden sich via Smartphone-App mit dem hauseigenen WLAN und einem Amazon-Prime-Konto. Die Buttons werden an einer beliebigen Stelle im Haus platziert. Ein Knopfdruck ersetzt anschließend die One-Click-Kaufoption auf der Amazon-Website. Kunden müssen also nicht einmal ihr Smartphone aus der Tasche holen, um einzukaufen.

Shopping-App

Damit das Knöpfchen funktioniert, benötigt der willige Käufer also die Shopping-App am Smartphone. Dann wird – wenn es um die Waschmaschine geht – ausgewählt, ob man Pulver oder Kapseln nimmt. "Willst Du, dass Dir niemals das Waschmittel ausgeht, brauchst Du nur den Knopf nie zu stoppen", beschreibt Pelleg die Vorzüge. Seine Mutter nutze das auch.

4,99 Euro kostet das Knöpfchen. Theoretisch. Denn wird aus dem Kunden ein Konsument, kostet es nichts. Wird bestellt, wird der Betrag gutgeschrieben. Wie viele das in den USA nützen, will Pelleg nicht sagen: "Viele Amerikaner tun es." Wobei in US-Medien spekuliert wurde, dass sehr viele Kunden die 4,99 nie zurückbekommen, weil sie das Knöpfchen gar nie nützen. Wie viel die Kunden durchschnittlich damit ausgeben, sagt Pelleg auch nicht. Nur so viel: "Es wächst phänomenal. Die Bestellungen haben sich allein in den letzten zwei Monaten verdreifacht."

Alles easy

Und zur praktischen Seite – alles easy: "Sofort, wenn Du klickst, bekommst Du eine Bestätigung auf das Smartphone. Wenn Du Deine Meinung änderst: Supereasy, zwei Tipper, und Du kannst stornieren." Einkaufen leicht machen ist die Devise. Mit rund 30 Marken wird gestartet, Ariel, Gillette, Pedigree, Kleenex, all das ist zu haben. Ein Ende der Fahnenstange ist damit nicht erreicht – Smart-Home sei dank. Amazons Dash Replenishment Service ermächtigt jetzt schon Kaffeemaschinen, selbstständig Kaffeebohnen, und Drucker, ganz ohne Obacht der Nutzer die Tinte nachzubestellen. Kundenbindung hat eben viele Facetten. (Regina Bruckner, 31.8.2016)

  • Ist klüger, als es aussieht: Das Kaufknöpfchen für daheim. Die Knöpfe verbinden sich via Smartphone-App mit dem hauseigenen WLAN und einem Amazon-Prime-Konto.
    foto: amazon

    Ist klüger, als es aussieht: Das Kaufknöpfchen für daheim. Die Knöpfe verbinden sich via Smartphone-App mit dem hauseigenen WLAN und einem Amazon-Prime-Konto.

  • Sie werden an einer beliebigen Stelle platziert. Ein Knopfdruck ersetzt die One-Click-Kaufoption auf der Amazon-Website.
    foto: amazon

    Sie werden an einer beliebigen Stelle platziert. Ein Knopfdruck ersetzt die One-Click-Kaufoption auf der Amazon-Website.

Share if you care.