Raus aus der Komfortzone

Blog26. August 2016, 17:17
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Drei Lehren aus dem Alpbacher Theaterworkshop

Standing Ovations im Festsaal des Forums bei Shakespeares "Sommernachtstraum". "A Midsummer Night's Dream", ein beliebtes Stück, passt perfekt zum Generalthema "Neue Aufklärung". In Alpbach wird es von Studierenden der Royal Academy of Dramatic Art (Rada) aus London aufgeführt.

Die Rada ist eine Schauspielschule mit Weltruf. Jährlich bewerben sich 4.000 Personen, nur 32 davon werden ausgewählt. Auf der Alumni-Liste befinden sich brillante Akteure wie Anthony Hopkins, bekannte wie Sean Bean ("Game of Thrones", "Herr der Ringe") oder ein gewisser Jon Cryer, der in der Fernsehserie "Two and a Half Men" Alan Harper spielt.

Im Alpbacher Theaterworkshop konnte man sich an fünf Nachmittagen gemeinsam mit Rada-Studierenden als Schauspieler ausprobieren. Selten habe ich Workshops mit einer solchen Begeisterung und positiven Gruppendynamik erlebt. Und wir waren dabei nicht zu überhören. Oft wurde ich von anderen Stipendiaten oder Forumteilnehmern angesprochen, ob wir jene Veranstaltung seien, die die "komischen Geräusche" produziert. Nun ja, in der Tat. Für viele der Teilnehmer bestand die Herausforderung vor allem darin, die eigene Komfortzone zu verlassen und neue Dinge auszuprobieren.

Learning #1: Keine Angst vor komischen Übungen

Wirre Dinge durch den Raum zu rufen und sich sprichwörtlich dabei ein wenig zum Affen zu machen, solche Übungen gibt es sogar an einer der besten Schauspielschulen der Welt.

Learning #2: Schauspiel bedeutet ganzkörperliche Arbeit

Nie hätte ich gedacht, dass ich als regelmäßiger Sportler vom Aufwärmen beim Theaterkurs einen Muskelkater bekommen könnte. Bei Sprachübungen und Gesangseinlagen mit Katie, Catherine und Letty, den drei äußerst engagierten Lehrmeisterinnen, lernte ich, dass meine Stimme Potenzial nach oben hat. Den Körper in Schwung zu bringen, bedeutet gleichzeitig den Kopf frei für das Wesentliche im Schauspiel zu bekommen.

Learning #3: Better together!

Natürlich war auch Zeit für Gespräche, zum Beispiel über den Brexit. Auf meine Frage, wie denn ein vereintes Europa zustande kommen soll, wenn jüngst der Brexit eingeleitet wurde, sah ich durchwegs in enttäuschte Gesichter. Bis eine Gitarre erklang und das Lied "Better Together" angestimmt wurde. Ein eindeutiges Statement.

Diversität inspiriert: Das Positive an Diversität kann selten so intensiv erlebt werden wie beim Schauspiel. Theater verbindet Menschen – ob aus Kolumbien, den Niederlanden oder der Türkei. Vielleicht sollten Kritiker eines geeinten Europas hier auch lernen, aus ihrer Komfortzone zu gehen und beginnen, die Vorteile zu sehen.

Fazit: Wer noch nie etwas mit Schauspiel zu tun hatte, dem kann ich eine solche Erfahrung sehr ans Herz legen. Also raus aus der Komfortzone! Deine Persönlichkeit und dein Geist werden es dir danken. (Florian Heiß, 26.8.2016)

Florian Heiß (27) hat ein abgeschlossenes Masterstudium im Strategischen Management und wohnt in Innsbruck.

Das Europäische Forum Alpbach widmet sich heuer von 17. August bis 2. September dem Thema "Neue Aufklärung". Im Alpbach-Blog auf derStandard.at bloggen junge Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Link

  • Ein "Sommernachtstraum" in Alpbach. Aufgeführt von Studierenden der Royal Academy of Dramatic Art London.
    foto: europäisches forum alpbach, andrei pungovschi

    Ein "Sommernachtstraum" in Alpbach. Aufgeführt von Studierenden der Royal Academy of Dramatic Art London.

  • Artikelbild
    foto: europäisches forum alpbach, andrei pungovschi
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