AMS-Chef: Wohnung für Flüchtlinge zunächst wichtiger als Bildung

26. August 2016, 12:32
25 Postings

Geld zu verdienen sei für viele zunächst wichtiger: Johannes Kopf beim Forum Alpbach

Wien – Knapp 700 Personen haben 2015/16 im Rahmen der Flüchtlingsinitiative More an den Universitäten als außerordentliche Studenten inskribiert – hieß es in einer Aufstellung der Universitätenkonferenz (Uniko) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch das Wissenschaftsministerium.

Wie es Flüchtlingen geht, die ordentlich an einer Hochschule studieren wollen, wurde am Donnerstag im Rahmen der Hochschulgespräche des Europäischen Forums Alpbach in Tirol diskutiert. Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) bremste dabei die Euphorie: Natürlich sei auch der Wunsch von Flüchtlingen nach Bildung zu befriedigen – zunächst aber anderen Bedürfnissen wie beispielsweise jenem nach Wohnraum nachzukommen.

"Riesenherausforderung"

Er verstehe, dass jemand, der in einer Flüchtlingsunterkunft auf engstem Raum mit vier anderen Personen zusammenlebe, sich zunächst einmal eine eigene Dusche oder eine eigene Wohnung leisten wolle, sagt Kopf. "Dazu muss er aber einmal Geld verdienen, bevor er auf die Idee kommt, an einer Fachhochschule zu studieren."

Die dafür qualifizierten Personen tatsächlich als Studierende an die Hochschulen zu bekommen, werde eine "Riesenherausforderung", meinte der AMS-Chef. Einerseits müsse zunächst die Sprache gelernt werden, andererseits müssten die finanziellen Voraussetzungen da sein – hier müsse man etwa auch mit Stipendien arbeiten.

Der Ansturm blieb aus

Bei einer nichtrepräsentativen ersten Erhebung des AMS im Jänner habe sich eine enorme Bandbreite der Qualifikationen gezeigt, so Kopf. 25 Prozent der Syrer und 40 Prozent der Iraner hatten eine tertiäre Ausbildung, aber nur sieben Prozent der Afghanen. Gleichzeitig hätte aber ein Viertel der Afghanen überhaupt nie eine Schule besucht. "Wir wissen auch nicht, was wir mit jemandem machen, der 30 Jahre ist und zeit seines Lebens Soldat oder Schafhirte war."

Der Rektor der Fachhochschule Joanneum, Karl Peter Pfeiffer, bestätigte Kopfs Skepsis zum Teil: "Wir waren überrascht, dass es keinen großen Run der Geflüchteten zu uns gegeben hat." Viele der Flüchtlinge seien in der Peripherie untergebracht und wüssten gar nicht, wo die nächste Hochschule sei. Erst nach und nach hätten sich Personen gemeldet – "aber es waren nur wenige." Übrig geblieben seien vor allem solche, die bereits Deutschkurse besucht und schon einen hohen Bildungsstand hatten – vor allem männliche Syrer.

Dazu kämen noch oft Anerkennungsprobleme mit Zeugnissen. Wichtig sei vor allem das Anbieten von mit Integration verbundenen Sprachkursen – also zusammen mit regulären Studierenden – sowie Onlinelehrveranstaltungen. (APA, red, 26.8.2016)

  • Natürlich sei auch der Wunsch von Flüchtlingen nach Bildung zu befriedigen – zunächst aber anderen Bedürfnissen wie beispielsweise jenem nach Wohnraum nachzukommen, sagte AMS-Chef Johannes Kopf bei den Hochschulgesprächen in Alpbach.
    foto: apa

    Natürlich sei auch der Wunsch von Flüchtlingen nach Bildung zu befriedigen – zunächst aber anderen Bedürfnissen wie beispielsweise jenem nach Wohnraum nachzukommen, sagte AMS-Chef Johannes Kopf bei den Hochschulgesprächen in Alpbach.

Share if you care.