Deutsche Behörden knackten Telegram, um Neonazis zu überwachen

26. August 2016, 12:09
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BKA nutzte selben Trick wie iranische Überwacher, Methode könnte in Deutschland illegal sein

Das deutsche Bundeskriminalamt hat sich offenbar Zugriff zu Konten des Telegram-Messengers verschafft. So sollten Mitglieder der neonazistischen "OldSchool Society" überwacht werden. Die Chatprotokolle werden nun in der Gerichtsverhandlung gegen die laut Staatsanwaltschaft terroristische Vereinigung eine Rolle spielen. Wie Motherboard berichtet, könnte die Beschaffungsmethode allerdings gegen deutsche Gesetze verstoßen haben.

SMS abgefangen

Das BKA setzte prinzipiell auf dieselbe Methode wie iranische Hacker: Sie melden sich auf einem neuen Gerät mit dem Telegram-Konto der Zielperson an, das durch eine Überwachung von dessen Telefon entdeckt wurde. Anschließend verschickt Telegram einen Authentifizierungscode an das alte Gerät. Diese SMS kann vom BKA heimlich abgefangen werden – und der Code wird dann zur Anmeldung am neuen BKA-Gerät benutzt. Dann haben die Beamten Zugang zu den Chatprotokollen, sofern diese nicht extra Ende-zu-Ende verschlüsselt worden sind.

Methode könnte illegal sein

Bei Telegram werden Nachrichten allerdings erst seit dem neuesten Update automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. Außerdem können Gruppenchats bislang nicht verschlüsselt werden. Anwälte wie der IT-Rechtsexperte Udo Vetter sehen die Methode kritisch, da Computersysteme "manipuliert" werden. Es handle sich keineswegs um eine reguläre Überwachung, die durch die Gesetze der Telekomüberwachung gedeckt seien, argumentiert Vetter gegenüber Motherboard. Wenn das Gerichte ähnlich sehen, könnten die Beweise im Prozess gegen die Neonazi-Bande nicht zugelassen werden.

Allerdings reichen wohl auch die anderen Beweise aus, um die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu bestätigen. So konnten die Beamten einen Telefonanruf abfangen, indem ein Mitglied der Organisation vorschlug, einen Sprengsatz mit Nägeln zu präparieren und in ein Asylwerberheim zu werfen. (fsc, 26.8.2016)

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    foto: reuters/white
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