Reform fixiert: Vier Fixplätze für die Big Four

26. August 2016, 10:59
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Hälfte der CL-Plätze geht ab 2018/19 an Spanien, Deutschland, England und Italien

Monaco – Europas vier Topligen haben künftig je vier Startplätze in der Gruppenphase der Champions League sicher. Durch eine Reform der Königsklasse, die am Freitag in Monaco offiziell vorgestellt wurde, entfällt ab der Saison 2018/19 für die vier am besten bewerteten Ligen des Kontinents die Qualifikationsrunde der jeweiligen Tabellenvierten. Sie starten direkt in der lukrativen Gruppenphase.

"Wir hatten bei der Reform ein Ziel: auf der einen Seite den Traum für die Kleinen erhalten und auf der anderen Seite den Weg der Champions sicherzustellen", sagte Uefa-Interimsgeneralsekretär Theodore Theodoridis im Fürstentum. Am Format der Champions League und der Europa League wird nichts geändert.

Stand jetzt würden dann Spanien (bisher 3 feste Plätze + 1 Qualifikationsplatz), Deutschland (3+1), England (3+1) und Italien (2+1) in jedem Fall 16 der 32 Teilnehmer stellen. Vor allem der Vierte der Uefa-Fünfjahreswertung (derzeit Italien) profitiert, da sich die Anzahl der sicheren Startplätze verdoppelt.

Kein leichter Weg für Österreich

Für Österreichs Klubs hat die Reform wohl negative Auswirkungen, da künftig weniger CL-Plätze über die Qualifikation ausgespielt werden sollen. Der finale Plan wird erst im Dezember präsentiert, doch schon jetzt steht fest, dass sie auf Kosten der mittleren und kleinen Fußball-Länder wie Österreich geht, da künftig nur noch vier Plätze (bisher fünf) über den Meisterweg für die Champions-League-Gruppenphase ausgespielt werden. Dies verriet UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti bereits am Freitag.

"Unfassbar! Gesellschaftspolitisch wird immer von Umverteilung geredet, damit die Reichen nicht noch reicher und die Armen nicht noch ärmer werden. Doch mit dieser Reform nimmt man den Armen noch mehr Geld weg. Dafür werden die großen Clubs gestärkt und bekommen noch mehr Geld, das ist Kapitalismus pur", lautete die Reaktion von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im Gespräch mit der APA. "Fußball lebt ja vom Wettbewerb, aber diese Reform geht klar zulasten der mittleren und kleinen Verbände. Damit killt man den Wettbewerb."

Rapids Wirtschaftsvorstand Christoph Peschek ist verärgert. "Es muss immer die sportliche Leistung und nicht die Finanzkraft im Mittelpunkt stehen. Alles, was die Schere weiter aufgehen lässt, ist nicht sinnvoll. Als Meister sollte man eine realistische Chance auf die Champions League haben."

Noch deutlichere Worte fand Rapid-Trainer Mike Büskens. "Irgendwann werden wir den Achten, Neunten oder Zehnten einer Top-Liga auch noch in der Champions League haben. Es dreht sich immer nur ums Geld. Irgendwann wird das Spiel ganz auf die Seite geschoben und man ist nur noch Mittel zum Zweck."

Der Deutsche gab zu, als ein im Profi-Fußball tätiger Mensch selbst ein Profiteur des allgemeinen Strebens nach immer höheren Umsätzen zu sein. "Aber irgendwann muss es auch einmal gut sein."

Zurückzuführen sei die Reform auf einen Spagat, den die UEFA aufgrund des Drucks der großen Nationen vollführen musste. "Das wird wahrscheinlich der Kompromiss sein, damit zum 54.000. Mal Real Madrid mit Bayern München die Klingen kreuzt", vermutete Büskens. Er finde diese Entwicklung "schade".

Unzufrieden war auch Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund. "Für die kleineren Länder ist das mit Sicherheit kein Vorteil. Es wir noch schwieriger werden, um dabei zu sein." Zumindest derzeit stellt die Europa League für die "Bullen" noch ein annehmbares Trostpflaster dar. "Heuer war die Europa League eigentlich unser Ziel. Wie man sieht, ergeben sich auch in der Europa League sehr attraktive Gruppen. Für die Entwicklung der jungen Spieler ist das eine tolle Sache."

Kniefall vor großen Ligen

Mit der Reform beugt sich der Verband natürlich dem Druck der Topklubs, die mit einer Abspaltung gedroht hatten. Auch die Geldverteilung soll zugunsten historisch erfolgreicher Vereine verändert werden. So wird der Teamkoeffizient, den prominente Clubs wie Champions-League-Rekordsieger Real Madrid und Bayern München anführen, mit 30 Prozent nun erstmals berücksichtigt, der sogenannte Anteil aus dem Market Pool für alle Vereine aus einem Land dagegen von 40 auf 15 Prozent reduziert.

Einschnitte gibt es auch bei der fixen Startprämie. Die Gesamtsumme der finanziellen Ausschüttungen soll aber erhöht werden, versprach die UEFA. Dabei wird aber laut Ebenbauer interessant sein, wie die prozentuelle Verteilung zwischen Champions und Europa League am Ende des Tages aussehen wird.

Weiters steht der Europa-League-Sieger des Vorjahrs fix in der Gruppenphase, bisher war auch ein Einstieg im Playoff möglich. (APA, sid, red, 26.8.2016)

  • Der Weg der Kleinen ins Konzert der Großen wird erschwert.
    foto: ap/valery hache

    Der Weg der Kleinen ins Konzert der Großen wird erschwert.

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