Innovation aus Uni-Forschung – Am Mut fehlt es nicht

26. August 2016, 10:27
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Sagt ASCINA-Chef und Spin-off-Gründer Franz Franchetti – Rahmenbedingungen als Hemmschuh in USA und Österreich

Für eine Karriere in der Wissenschaft brauche es mehr Mut als für den Markteintritt mit einer Forschungs-Innovation. Das sagte der österreichische Computerwissenschafter Franz Franchetti anlässlich des Arbeitskreises "Radikale Innovationen: Mehr Mut zum Risiko" bei den Alpbacher Technologiegesprächen am Freitag. Der größte Hemmschuh seien die Rahmenbedingungen – vor allem in Österreich.

Im modernen Forschungssystem mit seiner immer stärkeren Abhängigkeit von selbst einzuwerbenden Fördermitteln seien neben wissenschaftlicher Exzellenz vor allem Risikomanagement-Fähigkeiten gefragt. "In den vergangenen zehn Jahren habe ich mich als Wissenschafter und meine relativ große Forschungsgruppe komplett selbst finanzieren müssen", sagte der Forschungsprofessor an der Carnegie Mellon University (CMU) in Pittsburgh, Mitbegründer der Firma SpiralGen und Präsident der Vereinigung österreichischer Wissenschafter in Nordamerika "ASCINA" (Austrian Scientists and Scholars in North America).

"Keine nette Idee, die man schnell in ein Produkt umwandeln kann"

Mit ihrem universitären Spin-off bieten Franchetti und Kollegen ein System, das automatisch Software für sehr verschiedene Computerplattformen optimiert. Das sei sehr komplexe Hochtechnologie-Forschung und eher "keine nette Idee, die man schnell in ein Produkt umwandeln kann", sagte Franchetti. Nach all den Erfahrungen mit der 2009 gegründeten Firma sage er trotzdem: die Mut zum Risiko sei an der Uni höher.

US-Unis seien jedenfalls sehr daran interessiert, in ihrem Umfeld entwickeltes Wissen in die Wirtschaft zu bringen. Auch die Stadt Pittsburgh habe viel Unterstützung bereitgestellt, die Beratungsleistungen seien aber nicht unbedingt auf die Anforderungen dieser sehr speziellen Firma zugeschnitten gewesen. Zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft musste sich Franchetti glücklicherweise nicht entscheiden, denn es gibt dort Modelle, die es erlauben, einen gewissen Teil der Arbeitszeit in solche Projekte zu stecken oder sich ein Jahr freistellen zu lassen.

Franchetti schätzt, dass auch in Österreich nicht der Mut und die Risikobereitschaft unter den Forschern das Problem ist, wenn es um die Umsetzung von Erkenntnissen aus dem Hochschul-Sektor am Markt geht. Noch mehr als in den USA stelle sich hier aber die Frage, ob es überhaupt eine Infrastruktur gibt, die einem dabei eine reale Chance lässt. "Du musst das Risiko eingehen können, ohne dass es dich zerstört", so der Wissenschafter.

"Ich bin mir nicht sicher, ob wir Österreicher diese Grundeinstellung wirklich haben."

In den USA sei mehr oder weniger jedem klar, dass man vielleicht mehrere Start-ups gründen muss, bis eines funktioniere. In Österreich bestehe die große Gefahr gleich "gebrandmarkt" zu sein, wenn eine Idee nicht funktioniert. Franchetti: "Wenn immer ich mit Leuten rede, kommt das oft fehlende Grundverständnis dafür zur Sprache, was es heißt, eine Firma zu starten. Ich bin mir nicht sicher, ob wir Österreicher diese Grundeinstellung wirklich haben."

Förderinstitutionen diesseits und jenseits des Atlantiks wollen natürlich beides: große Würfe einerseits und eine gewisse Sicherheit andererseits. "Aber den großen Wurf kann man natürlich nicht vorhersagen. Da geht es dann darum, die Diskrepanz zwischen dem zu managen, wie die Förderinstitutionen die Welt sehen und wie die Realität auf den Unis ist", so der Wissenschafter.

Bei einer Gründung aus dem Hochschul-Umfeld heraus in Österreich brauche vor allem sehr viel Know-how über Förderinstrumente. Das erklärte Michael Hoffmann, Head of Finance & Business Development der Wiener Firma "SIMCaracters", die im Herbst mit einem extrem realistischen Frühgeborenen-"Simulator" auf den Markt geht, an dem Ärzte und Pfleger die medizinische Versorgung von Frühchen trainieren können. Zum Glück tue sich an heimischen Unis schon seit einiger Zeit weit mehr, was Technologietransfer betrifft, so Hoffmann, der sich auch als Geschäftsführer der Forschungsservice und -beteiligungs GmbH der Medizinischen Universität Wien mit dem Thema befasst.

"Früher sind Gründungen in Österreich einfach passiert. Unis haben gesagt: Wir machen Grundlagenforschung. Die anwendungsorientierte Forschung war schon recht weit weg", so der Experte zur APA. Das galt jedenfalls für den medizinischen Bereich. Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem die Einwerbung von Drittmitteln wichtiger wurde, habe sich das jedoch geändert. Bei patentrechtlichem Know-how seien die Unis mittlerweile gut aufgestellt. Dem Thema Spin-offs werde nun strukturierter Aufmerksamkeit geschenkt – auch seitens der öffentlichen Hand. (APA, 26.8. 2016)

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