Diskussion um Videoüberwachung nach Vorfällen in Linzer Öffis

25. August 2016, 14:22
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Mutter mit zwei Kindern sexuell belästigt – Teenager meldeten Rauferei – FPÖ und ÖVP fordern Videoüberwachung, SPÖ will Thema überdenken – Bürgermeister beruft Sicherheitsbeirat ein

Linz – Nach Vorfällen in der Linzer Straßenbahn – zuletzt der sexuellen Belästigung einer Mutter mit zwei Kindern – ist in der Stadt erneut eine Diskussion um Videoüberwachung in Öffis entbrannt. ÖVP und FPÖ fordern sie vehement. Die SPÖ will das Thema überdenken, der rote Bürgermeister Klaus Luger kündigte an, den Sicherheitsbeirat der Linz Linien einzuberufen.

Am Mittwoch hatte eine 39-jährige Frau Anzeige bei der Polizei erstattet: Als sie am 19. August spätabends mit ihrer elfjährigen Tochter und deren 13-jähriger Freundin mit der Straßenbahn nach Leonding (Bezirk Linz-Land) fuhr, wurde sie nach dem Aussteigen verfolgt und sexuell belästigt. Aus einer Gruppe von rund zehn Männern, die sich vorher in der Bim lautstark in einer fremden Sprache unterhalten hatten, folgten ihr und den Mädchen beim Aussteigen zwei bis zum Auto. Einer entblößte dabei sogar sein Geschlechtsteil, wie die oö. Polizei berichtete.

Am Mittwoch war zudem ein Fall bekannt geworden, der sich bereits am 16. August ereignet hat. Demnach sollen sieben Burschen – laut Personenbeschreibung zwischen zehn und 16 Jahre alt und nicht Deutsch sprechend – in einer Linzer Straßenbahn einen Mann angepöbelt und körperlich attackiert haben. Zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren, die zufällig danebensaßen, wurden bei der Rauferei leicht verletzt. Die Angreifer flüchteten nach dem Vorfall, der bisher unbekannte Mann stieg ebenfalls aus. Die Mädchen erzählten ihren Eltern von dem Geschehen und erstatteten Anzeige bei der Polizei.

FPÖ und ÖVP reagierten am Donnerstag prompt mit der Forderung nach einer Videoüberwachung: LHStv. Thomas Stelzer (ÖVP) verlangte sie in einer Aussendung für öffentliche Verkehrsmittel sowie an kritischen Plätzen. Die Kameras würden nicht nur der Abschreckung, sondern auch der Aufklärung von Verbrechen dienen. "Übergriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen nicht als Einzelfälle bagatellisiert werden", betonte Stelzer.

Der freiheitliche Linz-Linien-Aufsichtsrat Michael Raml pochte ebenfalls auf eine Videoüberwachung. 70 Prozent der Linzer Bevölkerung würden sie laut einer IMAS-Umfrage befürworten. Er kritisierte, dass SPÖ und Grüne sie aus ideologischen Gründen blockieren würden. "Die allgemeine Sicherheitslage muss uns zu denken geben. Linz muss hier endlich nachziehen", so Raml.

In der Linzer SPÖ könnte sich indes ein Umdenken abzeichnen: Fraktionsvorsitzender Christian Forsterleitner will die Parteiengremien mit der Frage der Videoüberwachung befassen. "Eine gesamtheitliche Betrachtung sowie eine Werteabwägung zwischen Freiheit und Sicherheit ist wichtig", betont er.

Sein Parteikollege Luger kündigte an, den Sicherheitsbeirat der Linz Linien mit zusätzlichen Experten bis Mitte September einzuberufen. Es brauche eine "sachliche Analyse der Sicherheitslage in den öffentlichen Verkehrsmitteln und die Ausschöpfung aller sinnvollen Maßnahmen". Auch die Videoüberwachung soll dabei diskutiert werden, betonte er. Linz sei eine der sichersten Städte Europas, aber Übergriffe in Öffis dürften nicht bagatellisiert werden, so Luger. "In den letzten Monaten verstärkt sich der Eindruck, dass diese Probleme zunehmen." (APA, 25.8.2016)

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