Weinernte: Exzellenter Jahrgang bei geringer Menge erwartet

25. August 2016, 14:23
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Fünfte Weinernte mit niedriger Menge in Folge treibt den Preis, zumal die Qualität hervorragend ausfallen dürfte

Wien – Es sind erst erste Schätzungen, doch wird heuer von einer kleineren Weinernte in der Höhe von rund 1,8 Millionen Hektoliter ausgegangen. Zum Vergleich: Eine langjährige Ernte in Österreich beträgt durchschnittlich 2,5 Millionen Hektoliter.

Das werde sich auf den Preis auswirken, sagt Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager: "Wein wird teurer werden." Da man aber – trockenes, sonniges Wetter vorausgesetzt – ausgezeichnete Qualitäten erwartet, wird es vor allem in den Billigsegmenten eng. "Kann sein, dass wir da nicht alles bedienen können."

Frost und Unwetter

Für die geringere Ausbeute waren die Frostkatastrophen im Frühjahr ausschlaggebend und die massiven Hagelunwetter, die in vielen Weinbaugebieten die jungen Reben dezimierten – besonders stark in der Steiermark, dem Südburgenland, in den Weinbaugebieten rund um den Neusiedler See und dem nördlichen Niederösterreich. In der Steiermark erwartet man ein Viertel weniger Ausbeute im Vergleich zu einer Normalernte; im Burgenland ist es gar die Hälfte. In Niederösterreich, dem größten Weinanbaugebiet, waren es niedrigere Lagen, die vom Frost geschädigt wurden, auch Teile der Wachau.

Betroffene Winzer bekommen Hilfe aus dem Katastrophenfonds. Wenn sie aufgrund des Frostereignisses weniger als 2.000 Liter Wein pro Hektar ernten, können sie eine Entschädigung aus einer Sonderrichtlinie des Fonds beantragen. Die Hilfe darf maximal 3.900 Euro pro Hektar ausmachen. Insgesamt wurden 50 Millionen Euro dafür reserviert; die Mittel sollen auch andere Schäden, etwa beim Obstbau, mildern.

Kritisierte Katastrophenhilfe

Diese Hilfe, auf die sich Bund und die betroffenen Länder geeinigt haben, hat viel Kritik hervorgerufen. Schließlich ist Frost im Weinbau ein versicherungsfähiges Risiko. Anders als beim Obst, wo es bis heuer keine entsprechenden Versicherungen gab, kann es da schnell zu einer Ungleichbehandlung zwischen versicherten und unversicherten Bauern kommen. Ersterer zahlt Prämien (allerdings mit staatlichen Zuschüssen). Und der unversicherte Betrieb bekommt seinen Schaden aus dem Katastrophenfonds abgedeckt.

Schmuckenschlager erklärt die Vorgangsweise damit, dass es diesmal um den Erhalt der Betriebe gegangen sei. Auch frostversicherte Weinbauern, die unter eine bestimmte Ertragsgrenze fallen, bekämen die Differenz zur Existenzsicherung abgeglichen. Außerdem sei es für die Begünstigten notwendig, eine entsprechende Versicherung für die Zukunft abzuschließen.

Herkunftsbezeichnungen reformiert

Im Rahmen der umfangreichen Weingesetznovelle vom Frühjahr gibt es mit dem heurigen Jahrgang erstmals neue Kennzeichnungsregeln. Diese stellen stärker auf die "engere Herkunftsbezeichnung" (Großlage, Gemeinde, Riede) ab. Gemacht wurde das, um sich von "scheingeografischen Angaben" und "Pseudo-Herkunftsangaben" zu distanzieren, sagt Josef Glatt vom Weinbauverband. Auch beim Sekt kommen detaillierte Ursprungsregeln. (Johanna Ruzicka, 25.8.2016)

  • Frost und Unwetter haben den Weinreben heuer zugesetzt.
    foto: apa/roland schlager

    Frost und Unwetter haben den Weinreben heuer zugesetzt.

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