Salzburgs Scheitern: Wahrscheinlich ein Fluch

25. August 2016, 12:20
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Nach dem neuerlichen, dem neunten Scheitern an der Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League ringt Red Bull Salzburg um Contenance. Coach Óscar García will sich nicht festlegen, ob er beim zehnten Anlauf noch dabei ist

Salzburg – Christian Schwegler hat sich zum fünften Mal mit Red Bull Salzburg darum bemüht, ins Schlaraffenland des europäischen Fußballs namens Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Diesmal konnte der 32-jährige Schweizer die gebratenen Tauben, die einem dort direkt in den Mund fliegen sollen, quasi schon riechen. "So nahe waren wir noch nie. Wir waren mit einem Bein drinnen", sagte der Routinier nach dem 1:2 nach Verlängerung gegen Dinamo Zagreb. Eine haltbare Analyse fiel nicht nur Schwegler schwer, das Angebot des nach Christoph Leitgeb Längstgedienten im aktuellen Kader des Meisters: "Wahrscheinlich ist es ein Fluch."

Salzburg, da herrschte Einigkeit, hätte es verdient gehabt. Dinamo Zagreb war inklusive Hinspiel die schlechtere Mannschaft, die fahrlässigere war aber Österreichs Meister. "Es ist jetzt schon öfter vorgekommen, dass wir vorne das Tor nicht machen", sagte Valentino Lazaro, der gegen die Kroaten beide Tore gemacht hat.

Unfairer Fußball

Der 20-Jährige, der wegen einer Knöchelblessur nach einer Stunde vom Platz gemusst hatte, kritisierte aber auch die "Negativität", die nach dem späten Ausgleichstreffer der Gäste auf dem Platz zu spüren gewesen sei – trotz der Unterstützung der immerhin 23.450 Zuseher in der Red-Bull-Arena. Das Salzburger Selbstvertrauen fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen, Coach Óscar García ("Der Fußball war unfair zu uns") konnte insofern nicht großartig eingreifen, als sein Austauschkontingent verletzungsbedingt schon früh erschöpft war.

Lazaro, am Donnerstag erneut in den Kader des Nationalteams berufen, war in seiner Enttäuschung auch nicht bereit, die Schuld bei anderen zu suchen. "Wir waren wieder einmal zu dumm. Es gibt nichts schönzureden. Jetzt kann wieder jeder über uns lachen."

Schon sei der Schiedsrichter "komplett schwindlig" gewesen. An Craig Thomson machte zum Beispiel Sportdirektor Christoph Freund das Scheitern fest. Der Schotte hatte beim Stand von 1:0 einen glasklaren Elfmeter nicht gegeben. "Die Enttäuschung ist extrem. Wir scheiden wieder aus und wissen nicht, warum."

Ausblick ins Nichts

Trainer García weiß wiederum nicht, ob er bei einem zehnten Anlauf auf die Champions League noch mit von der Partie ist – obwohl er gerade erst seinen Vertrag bis Sommer 2018 verlängert hat. Das hinge doch sehr von den weiteren Ambitionen des Vereins ab, gab der Katalane zu verstehen. Serientitelgewinne dürften den Ehrgeiz des 43-Jährigen nicht befriedigen. Ebenso nicht die Aus- oder Weiterbildung von Spielern, die dann gewinnbringend verkauft werden können. Oder aber wie gerade erst Naby Keita dorthin gehen, wo sich Geldgeber Dietrich Mateschitz den größeren Profit für sich selbst und sein Unternehmen verspricht. Auch wenn das satte Salzburger Budget nicht sofort gekürzt werden wird, richtet sich der Fokus doch mehr und mehr auf Rasenballsport Leipzig.

Die Truppe von Ralph Rangnick eröffnet am Sonntag in Hoffenheim ihre erste Saison im deutschen Oberhaus. Fast zeitgleich spielt Salzburg bei Rekordchampion Rapid – das ist pikant, aber eben nur ein Schmoren im eigenen Saft. (APA, red, 25.8.2016)

  • Salzburg-Coach Oscar Garcia weiß, dass man im Fußball auch sehr viel Glück braucht.
    foto: apa/krugfoto

    Salzburg-Coach Oscar Garcia weiß, dass man im Fußball auch sehr viel Glück braucht.

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