"Agnes": Jedem Anfang wohnt ein Ende inne

25. August 2016, 11:30
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In der Verfilmung des gleichnamigen Romans bringt Regisseur Johannes Schmid Fakt und Fiktion zum Verschwimmen

Die erste Begegnung in der Bibliothek geschieht so beiläufig wie die Beziehung zwischen Agnes (Odine Johne) und Walter (Stephan Kampwirth) in der Folge anmutet. Alles ist hier in der Schwebe und doch ist der Tonfall ungewöhnlich direkt.

foto: polyfilm
In manchen Augenblicken scheint alles möglich: Odine Johne beeindruckt in "Agnes".

Die Gefühle, die der Sachbuchautor für die Physikstudentin empfindet, scheinen von liebevoller Neugierde bestimmt, jene der jungen Frau von unberechenbarer Intensität. Das gemeinsame Projekt zielt zunächst aber nicht auf eine gemeinsam Zukunft ab, sondern auf ein Buch: Walter schreibt eine Erzählung über Agnes, über die Ängste, die Hoffnungen, die Enttäuschungen. Das gemeinsam Erlebte wird zur Schrift – und verändert wiederum das Leben.

polyfilm verleih

Agnes ist die Verfilmung von Peter Stamms gleichnamigem Romandebüt, mit dem sich der Schweizer Autor durch seine ausgeklügelte Montagetechnik und seine lakonische Erzählweise einen Namen machte. Johannes Schmid verwebt in seiner Kinoadaption dieser Amour fou präzise die verschiedenen Zeitebenen und Gefühlslagen, bringt Fakt und Fiktion zum Verschwimmen. Kann man das Ende von etwas herbeischreiben? "Glück macht einfach keine gute Geschichten", meint Walter in einem Augenblick puren Glücks – und vertraut lieber seiner Erzählung. Doch das Leben ist kein Buch, das man selbst schreiben kann. Es ist unwägbar, verstörend. Wie dieser Film. (pek, 25.8.2016)

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